{"id":28267,"date":"2002-06-27T00:00:00","date_gmt":"2022-10-30T22:53:53","guid":{"rendered":"http:\/\/neuershop.unrast-verlag.de\/?product=aesthetische-mobilmachung"},"modified":"2022-11-30T13:32:58","modified_gmt":"2022-11-30T12:32:58","slug":"aesthetische-mobilmachung","status":"publish","type":"product","link":"https:\/\/unrast-verlag.de\/produkt\/aesthetische-mobilmachung\/","title":{"rendered":"\u00c4sthetische  Mobilmachung"},"content":{"rendered":"<p>Jenseits der Neonazi-Skinhead-Musik festigt sich innerhalb von Dark Wave und Industrial eine rechte Musikszene, die sich zwischen Mythos und \u00c4sthetik bewegt: Doch die Mythen sind nicht ohne Tradition und die \u00c4sthetik ist nicht ohne Ideologie. Rhythmus, Lyrik und Performance transportieren antidemokratische und antiemanzipatorische Motive, die von einer boomenden unkritischen Szene nicht nur toleriert, sondern auch akzeptiert werden.<br \/>Die Autoren zeigen die Verwendung rechten Ideologien in der Independentkultur von Dark Wave, Neofolk und Industrial auf und beschreiben die Verbindungen bis hin zur Extremen Rechten. Nach einer allgemeinen Darstellungen der Szene werden rechte Labels, Bands und Publikationen analysiert, ohne deren Bedeutung f\u00fcr die gesamte Szene zu skandalisieren oder zu relativieren. <br \/>Exemplarisch untersuchen die Autoren die Zeitschrift \u203aSigill\u2039 und deren nationales Umfeld, sie beschreiben die Band \u203aDeath In June\u2039 und deren internationalen Verbindungen von der gem\u00e4\u00dfigten bis zur extrem rechten Szene. <br \/>Abgerundet wird das Buch mit einer Betrachtung und Diskussion des Ph\u00e4nomen \u203aNeuen-Deutsche-H\u00e4rte\u2039. <\/p>\n<p><strong> Rezension: <\/strong> <\/p>\n<p><strong> eclipsed, 06\/04 <\/strong> <\/p>\n<p>&#8220;&#8216;\u00c4sthetische Mobilmachung&#8217; ist eine ersch\u00f6pfende und brillante Ver\u00f6ffentlichung, die auf dem deutschen Buchmarkt ihresgleichen sucht! Warum das Buch von einigen Musikmagazinen ignoriert wird, dar\u00fcber kann sich jeder seine eigenen Gedanken machen.&#8221; <\/p>\n<p><strong> Intro 06\/2002 \u2013 Johannes Loh <\/strong> <\/p>\n<p>Wir erinnern uns alle an die hitzigen Debatten um Rammstein, Witt und Konsorten. Da ging es um problematische Bilder, heikle Inszenierungen, das rollende \u201eR\u201c und um ein fragliches Spiel mit umstrittenen Symbolen. \u201eFreiheit der Kunst!\u201c riefen die einen und \u201eIhr ewigen Spielverderber!\u201c die anderen. Und au\u00dferdem: Rammstein und Witt sind ja gar nicht rechts! Das haben sie selbst gesagt. <\/p>\n<p>Weil das stimmt und weil die Riefenstahl-Koketterie Rammsteins und die Flut-Metaphorik Witts trotz allem die Spitze des Eisbergs sind, ist das im Unrast-Verlag unl\u00e4ngst erschienene Buch \u201e\u00c4sthetische Mobilmachung\u201c (16\u20ac) ungeheuer wichtig. Zum einen erkl\u00e4rt es wie reaktion\u00e4r-faschistoide \u00c4sthetik Teil des Pop-Mainstreams werden kann und dann als scheinbar unpolitische Bildersprache \u00fcber den \u00c4ther flutscht. Zum anderen deckt es diskursive Zusammenh\u00e4nge auf, die unsichtbare Handschrift rechter Ideologen und Vordenker, die solche Bilder erfunden und popul\u00e4r gemacht haben. <\/p>\n<p>Was die sieben Autoren dieses Buches auf knapp 300 Seiten anschaulich und auch f\u00fcr den Nicht-Szene-Kenner gut nachvollziehbar berichten, l\u00e4sst sich mit einigen Abstrichen auf jede andere popkulturelle Bewegung \u00fcbertragen. No matter if Rock, Ska oder HipHop: \u201eDer Tabubruch von heute ist der Mainstream von morgen\u201c \u00fcbertitelt Stephan Lindke seinen Beitrag \u00fcber \u201edie \u201aNeue Deutsche H\u00e4rte\u2019 als \u00e4sthetisches Spiegelbild der wiedererstarkten Nation\u201c und findet damit eine allgemein g\u00fcltige, fast aphoristische Punchline. Hans Waders stellt die Entwicklung der \u201eSchwarzen Szene\u201c kurz und kenntnisreich dar und benennt Br\u00fcche, Spaltungen und Ausdifferenzierungen &#8211; jene Stellen also, wo sich nicht nur musikalisch etwas ge\u00e4ndert hat sondern auch neue Erz\u00e4hlungen und Ideologiefragmente hinzugekommen sind. Jan Raabe und Andreas Speit setzen sich mit der historischen Dimension der \u201eMobilmachung\u201c auseinander und zeichnen eine Linie \u201evom antib\u00fcrgerlichen Gestus zur faschistoiden \u00c4stethik\u201c. Christian Dornbusch, Mitherausgeber des in K\u00fcrze erscheinenden Buches \u201eRechtsrock\u201c (auch beim Unrast-Verlag), besch\u00e4ftigt sich mit der Rolle der ber\u00fcchtigten Nazi-Band Death in June und Thomas Naumann und Patrick Schwarz nehmen die Entwicklung des Szene-Magazins Sigill unter die Lupe. Dabei verlieren sich die Autoren nie in einem feuilletonistischen Geblubber, sondern reflektieren ihre Ausf\u00fchrungen sachkundig entlang sozialer, gesellschaftlicher Realit\u00e4ten. Die Relevanz des nationalen Diskurses seit 1989 wird dargelegt, aber auch die ideologische Ausstrahlungskraft der Neuen Mitte, die reaktion\u00e4re Gesten als \u00e4sthetische Provokation verharmlost. <\/p>\n<p>\u201e\u00c4sthetische Mobilmachung\u201c ist mehr als nur eine Aufsatzsammlung. Die Beitr\u00e4ge sind gut aufeinander abgestimmt, sauber recherchiert und bieten treffende Analysen. Wer bereit ist, \u00fcber die Wechselwirkung zwischen Pop und Politik nachzudenken, findet hier reichlich Material und Anregung. Dar\u00fcber hinaus leistet das Buch einen wichtigen Beitrag zum Thema \u201eRe-Politisierung der Popmusik\u201c, das ja auch seit einigen Ausgaben hier in der INTRO diskutiert wird. Die Autoren weisen nach, dass die Neue Rechte schon lange deep im Popbusiness steckt und von RockNord bis Junge Freiheit eine \u00e4sthetische Mobilmachung rechter, anti-modernistischer und anti-aufkl\u00e4rerischer Bilder vorangetrieben wird. Eine solche \u201eRe-Politisierung von Rechts\u201c hat sich niemand gew\u00fcnscht. Um so wichtiger, sie jetzt nicht zu untersch\u00e4tzen. <\/p>\n<p><strong> Short English abstract <\/strong> <\/p>\n<p>Andreas Speit (Ed.) <br \/>Aesthetic Mobilization <br \/>Right-Wing Ideologies in Dark Wave, Neofolk, and <br \/>Industrial <\/p>\n<p>Beyond neo-Nazi skinhead culture, a right-wing music scene with strong aesthetical and mythological overtones is consolidating itself within Dark Wave, Neofolk and Industrial. The scene\u2019s rhythm, poetry and performance promote anti-democratic and anti-emancipatory notions which are not only tolerated, but even accepted by its booming uncritical audience. The authors call attention to the presence of right-wing ideologies in the independent music scene and examine their connections to the extreme political right. Following a general overview of the so-called \u201cDark Culture\u201d, right-wing labels, bands and publications are analyzed without either exaggerating or trivializing their significance for the scene. <\/p>\n<p><strong> weitere B\u00fccher zum Thema: <\/strong> <\/p>\n<p> White Noise &#8211; Rechts-Rock, Skinhead-Musik, Blood &amp; Honour &#8211; Einblicke in die internationale Neonazi-Musik-Szene  <br \/> RechtsRock &#8211; Bestandsaufnahme und Gegenstrategie  <\/p>\n<p><strong> alle B\u00fccher der: <\/strong> <br \/> reihe antifaschistischer texte <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jenseits der Neonazi-Skinhead-Musik festigt sich innerhalb von Dark Wave und Industrial eine rechte Musikszene, die sich zwischen Mythos und \u00c4sthetik bewegt: Doch die Mythen sind nicht ohne Tradition und die \u00c4sthetik ist nicht ohne Ideologie. 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