Wie gelingt Solidarität auch ohne geteilte Erfahrungen und womöglich gar ohne gemeinsame Interessen?
Lea Susemichel, Jens Kastner (Hg.)

Unbedingte Solidarität

ISBN 978-3-89771-291-1
Erscheinungsdatum: Juli 2021
Seiten: 312
Ausstattung: softcover
19,80 €

Beschreibung

Unbedingte Solidarität ist die Herausforderung der Stunde. Von allen Seiten wird eine Erosion von Solidargemeinschaften beklagt, die sich nicht zuletzt in einer zunehmenden Fragmentierung linker sozialer Bewegungen zeigt. Die meist erbittert geführten Debatten um Identitätspolitiken zeugen davon.

Dieses Buch plädiert dafür, Solidarität nicht nur als bloße Parteinahme für die Gleichen und Ähnlichen zu fassen. Entscheidend ist vielmehr die Frage, wie Solidarität auch mit denjenigen möglich ist, mit denen wir nicht gemeinsame Erfahrungen, das Geschlecht und die Herkunft teilen.

Unbedingt ist diese Solidarität, weil sie weder die geteilte Zugehörigkeit zu einer Gruppe zu ihrer Bedingung macht, noch ein bloßes Tauschgeschäft mit Kosten-Nutzen-Abwägung ist. Darüber hinaus ist Solidarität auch im Sinne einer Dringlichkeit unbedingt: Wir brauchen mehr solidarische Beziehungen im Kampf für eine gerechte Gesellschaft!

Der Sammelband bietet vielfältige Einblicke in die theoretischen Debatten, diskutiert Beispiele praktizierter Solidarität und ist darüber hinaus ein eindringliches Plädoyer für eine solidarische Gesellschaft, für eine radikale Solidarität unter Ungleichen, für eine unbedingte Solidarität.

»Jeder einzelne Beitrag kontextualisiert und bietet wichtige Anregungen für eine politische Praxis, die Schwierigkeiten und Widersprüche erfasst, um sie zu überwinden.« – Heide Hammer, Volksstimme

Autor*innen

Lea Susemichel

Lea Susemichel (*1976) studierte Philosophie und Gender Studies in Wien. Als Journalistin, Lehrbeauftragte und Vortragende arbeitet sie zu den Themen feministische Theorie & Bewegung und feministische Medienarbeit. Seit 2006 ist sie leitende Redakteurin der an.schläge. Sie hat zwei Kinder. 

 


Jens Kastner

Jens Kastner (*1970), Dr. phil., ist Soziologe und Kunsthistoriker und lebt in Wien. Er ist Senior Lecturer am Institut für Kunst- und Kulturwissenschaften der Akademie der bildenden Künste Wien und schreibt für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften über zeitgenössische Kunst, soziale Bewegungen und Kulturtheorien. Er hat zwei Kinder.

jenskastner.de


Bini Adamczak

Foto: Chris Grodotzki / jib collectiveBini Adamczak, 1979, arbeitet als freie (lies: prekäre) Autorin und Künstlerin in Berlin. 2004 erschien Kommunismus. Kleine Geschichte, wie endlich alles anders wird, dessen englische Übersetzung 2017 einen antikommunistischen Shitstorm in der US-Rechten auslöste. 2007 veröffentlichte sie Gestern Morgen. Über die Einsamkeit kommunistische Gespenster und die Rekonstruktion der Zukunft. 2017 folgten Der schönste Tag im Leben des Alexander Berkman. Vom möglichen Gelingen der Russischen Revolution sowie Beziehungsweise Revolution, 1917, 1968 und kommende. Bini Adamczak ist Mitglied der ›jour fixe initiative berlin‹.


Brigitte Bargetz

Brigitte Bargetz ist wissenschaftliche Mitarbeiterin (post doc) an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Mitherausgeberin der Femina Politica. Zeitschrift für feministische Politikwissenschaft und eingebunden in das Netzwerk MEDUSA Genders in Transition: Masculinities, Affects, Bodies, and Technoscience der Universitat Oberta de Catalunya. Aktuelle Arbeitsschwerpunkte: Affekttheorie als politische Theorie, affektive Politiken des Rechtspopulismus, queer-feministische und antirassistische Perspektiven auf Kritik. Zuletzt erschienen: »Feminist matters, critique and the future of the political«. In: Feminist Theory 21 (2020) 4. S. 501-516 (mit Sandrine Sanos); »Haunting sovereignty and the neurotic subject: Contemporary constellations of fear, anxiety and uncertainty«. In: Citizenship Studies, 25 (2020)1. S. 20-35.


Alexander Behr

Alexander Behr, geb. 1979, ist Politikwissenschaftler, Übersetzer und Journalist. Seine Dissertation verfasste er bei Ulrich Brand zum Thema: »Landwirtschaft – Migration – Supermärkte. Ausbeutung und Widerstand entlang der Wertschöpfungskette von Obst und Gemüse«. Er ist Mitglied im Kollektiv Mühle Nikitsch (https://muehlenikitsch.net/). Neben der Lehrtätigkeit an Universitäten, an Schulen und bei Gewerkschaften ist er Aktivist im Netzwerk Afrique Europe Interact und bei forumcivique.org. In Kampagnen und solidarischen Netzwerken beschäftigt er sich mit den Themen Klimagerechtigkeit, imperiale Lebensweise, Nord-Süd-Verhältnisse, Flucht und Migration, Rechte von migrantischen Landarbeiter*innen in der industriellen Landwirtschaft. Zuletzt erschienen: »Die Kraft der kollektiven Intelligenz«. In: Jean Ziegler – citoyen et rebelle, Zürich: Nagel & Kimche 2019 sowie: Ich will doch nur frei sein. Wie ich nach Unterdrückung, Gefangenschaft und Flucht weiter für eine Zukunft kämpfe, gemeinsam mit Filimon Mebrhatom, München: Komplett Media 2020.


Torsten Bewernitz

Torsten Bewernitz (*1975) ist Politikwissenschaftler und Soziologe mit den Schwerpunkten Gewerkschaften, Theorie und Praxis von Arbeitskämpfen sowie Geschichte und Gegenwart der Arbeiter*innenbewegung. Er arbeitet zurzeit als Redakteur beim express. Zeitung für sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit und als Lehrbeauftragter an verschiedenen Hochschulen. Letzte eigenständige Veröffentlichung: Syndikalismus und neue Klassenpolitik. Eine Streitschrift. Berlin: Die Buchmacherei 2019.

 


Paul Buckermann

Paul Buckermann (*1985), Dr. phil., ist Soziologe. Er forscht am Thematic Research Network »Wissensgeltung« an der Universität Heidelberg. Davor Lehr- und Forschungstätigkeiten an Universitäten in Luzern, Basel, Paderborn und Bielefeld. Allgemeine soziologische Forschungsschwerpunkte sind Wissen, Kunst, Wissenschaft und Technologie. Jüngere Schriften beschäftigen sich mit Bewertungen, Rankings und Quantifizierung in der zeitgenössischen Kunst sowie Kulturinstitutionen und -professionellen in widersprüchlichen Welten.


Friederike Habermann

Friederike Habermann (*1967) ist Ökonomin und Historikerin sowie Dr. phil. der Politischen Wissenschaft. Als Autorin, Aktivistin und freie Akademikerin erforscht sie in Theorie und Praxis, wie Herrschaftsverhältnisse insbesondere in ihrer Interdependenz mit Wirtschaft überwunden werden können. Sie wohnt in zwei Projekten im Norden Deutschlands. Ihr jüngstes Buch: Ausgetauscht. Warum gutes Leben für alle tauschlogikfrei sein muss. Roßdorf: Ulrike Helmer-Verlag 2018.


Jana Günther

Jana Günther, geboren 1978 in der DDR, ist Vertretungsprofessorin für soziologische Grundlagen am Fachbereich Soziale Arbeit der h_da, Sozialwissenschaftlerin mit den Schwerpunkten soziale Bewegungen und Protestforschung, soziale Ungleichheit und Armut, Gleichstellungs- und Antidiskriminierungspolitik sowie klassische feministische Theorie. Sie ist Mitherausgeberin der wissenschaftlichen Periodika Femina Politica. Derzeit forscht sie zur Rolle der Frauenbewegungsorganisationen in der Kriegsindustrie.

 


Sabine Hark

Sabine Hark hat eine Professur für Gender Studies an der TU Berlin. Mitherausgeberin der Zeitschrift Feministische Studien, Mitgründerin der deutschen Fachgesellschaft für Geschlechterstudien, Gender e.V. Zahlreiche Veröffentlichungen, zuletzt u.a. (mit Paula-Irene Villa) Unterscheiden und herrschen. Ein Essay zu den ambivalenten Verflechtungen von Rassismus, Sexismus und Feminismus in der Gegenwart. Bielefeld: transcript 2017. Hark arbeitet derzeit an einem Projekt zu »Die Gemeinschaft der Ungewählten. Umrisse eines politischen Ethos der Kohabitation«.

 


Rahel Jaeggi

Rahel Jaeggi (1967*) ist Professorin für Praktische Philosophie, Recht- und Sozialphilosophie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Ihr thematischer Schwerpunkt liegt in den Bereichen der Sozialphilosophie, Politischen Philosophie, Ethik, Philosophischen Anthropologie, Sozialontologie und Kritischen Theorie. Gegenstand ihrer Forschung sind u.a. die Begriffe der Entfremdung, der Kommodifizierung bzw. Verdinglichung, der Ideologie, der Lebensform, der Institution und der Solidarität. Jaeggi gilt als eine Vertreterin der zeitgenössischen Kritischen Theorie. Seit 2018 ist sie Leiterin des Centers for Humanities and Social Change in Berlin. 


Serhat Karakayali

Serhat Karakayali, Dr. phil., leitet die Abteilung Migration am Deutschen Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung in Berlin und ist Mitglied des Berliner Instituts für empirische Integrations- und Migrationsforschung (BIM) an der Humboldt Universität zu Berlin. Seine aktuellen Forschungsprojekte drehen sich um Themen wie das ehrenamtliche Engagement für Geflüchtete, kosmopolitische Konzepte der Solidarität und Zivilgesellschaft als Ort politischer Sozialisation in der Migrationsgesellschaft. Seine letzten Publikationen umfassen »Feeling the Scope of Solidarity«, in: Social Inclusion, Special Issue 2017 und »Scales of Responsability. Constructing relations of Solidarity«. In: Germany's Differences – Newcomers, Nationhood, and Negotiating Belonging. Herausgegeben von Bock, Jan-Jonathan et al., Oxford: Berghahn (i.E.).

 


Stefanie Kron

Stefanie Kron (*1968) ist Dr.in phil der Soziologie, Autorin und Professorin für Soziale Arbeit an der evangelischen Hochschule Berlin. In ihrer wissenschaftlichen, publizistischen und (bildungs-)politischen Arbeit beschäftigt sie sich mit Migrations- und Grenzregimen in global vergleichender Perspektive, den europäischen und nordamerikanischen Bewegungen solidarischer Städte sowie mit transnationalen Arbeitskämpfen. Sie ist Mitglied des Netzwerkes Kritische Migrations- und Grenzregimeforschung (kritnet) und Mitherausgeberin der Zeitschrift Movements. Aktuelle Publikation: Kron, Stefanie/Lebuhn, Henrik: »Building Solidarity Cities: From Protest to Policy«. In: Rygiel, Kim/Baban, Feyzi (Hg.): Fostering cultural pluralism, Basingstoke: Palgrave Macmillan 2020; Christoph, Wenke/Kron, Stefanie (Hg.): Solidarity Cities in Europe. Berlin: Rosa-Luxemburg-Stiftung 2019.


Stefania Maffeis

Stefania Maffeis (*1975) ist Professorin für politische Theorie und Bildungstheorien an der Evangelischen Hochschule Dresden. In Forschung und Lehre beschäftigt sie sich mit philosophisch-ethischen Debatten und politischen Prozessen der Anerkennung eines Menschenrechtes auf Migration. Auch reflektiert sie über Mobilität und Transnationalität als Bedingungen und Methoden einer globalen politischen Ideengeschichte. Stefania Maffeis ist Vertrauensdozentin der Rosa-Luxemburg-Stiftung und Mitglied des migrantischen Berliner Vereins Trixiewiz e.V., der sich insbesondere für Empowerment von/mit migrantischen Frauen* engagiert. Aktuelle Publikationen: Migration als Menschenrecht? Die theoretisch-politische Debatte in Europa. Online Dossier der Rosa-Luxemburg-Stiftung 2019; Transnationale Philosophie. Hannah Arendt und die Zirkulationen des Politischen. Frankfurt a.M./New York: Campus 2019; »Das Subjekt der Menschenrechte«. In: Zeitschrift für Kulturphilosophie. Schwerpunkt Politische Subjektivierung, Nr. 2: 245-258 (2018). 


Monika Mokre

Monika Mokre (*1963), PDin Dr.in, ist Politikwissenschaftlerin und politische Aktivistin im Bereich Migration, Asyl und Gefängnis. Sie arbeitet als Senior Researcher am Institut für Kulturwissenschaften und Theatergeschichte der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und hat Lehraufträge an mehreren Universitäten. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Demokratie und demokratische Öffentlichkeit, Migration und Asyl, Gefängnis und Exklusion, Kulturpolitik und Gender Studies.


Cara Röhner

Cara Röhner, Dr. iur., Politikwissenschaftlerin und Juristin. Sie arbeitet derzeit als Sozialrechtlerin beim Vorstand der IG Metall in Frankfurt am Main und forscht zur Regierung der Pandemie im demokratischen und sozialen Rechtsstaat. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Themen des Verfassungsrechts, der Rechtstheorie und des Sozialstaats, insbesondere Fragen der sozialen Ungleichheit und der Geschlechterverhältnisse im Recht. Demnächst erscheint: »Helmut Ridder und das Bundesverfassungsgericht«. In: Isabel Feichtner, Tim Wihl (Hrsg.): Helmut Ridder – Gesamtverfassung, Reihe Staatsverständnisse, Baden-Baden: Nomos 2021.


Alexandra Scheele

Alexandra Scheele, PD Dr. habil., ist akademische Oberrätin im Arbeitsbereich Arbeits- und Wirtschaftssoziologie an der Fakultät für Soziologie an der Universität Bielefeld und leitet derzeit – gemeinsam mit Julia Roth und Heidemarie Winkel – die Forschungsgruppe »Global Contestations of Women's and Gender Rights« am Zentrum für Interdisziplinäre Forschung der Universität Bielefeld. Ihre aktuellen Forschungsprojekte sind: »Double Fragility: The Care Crisis in the Corona Crisis«, gefördert von der VolkswagenStiftung (mit Nadja Bergmann und Helene Schiffbänker) und »Prüfung der Entgeltgleichheit im Betrieb und Digitalisierung« (mit Andrea Jochmann-Döll und Christina Klenner) gefördert von der Hans-Böckler-Stiftung. Sie ist Mitherausgeberin der Femina Politica und der Buchreihe »Arbeit – Demokratie – Geschlecht« (Münster: Westfälisches Dampfboot). Arbeitsschwerpunkte: Soziologie der Arbeit und Geschlechterverhältnisse, Digitaler Kapitalismus, Entgeltungleichheit, Krisendynamiken und intersektionale Ungleichheiten. Aktuelle Veröffentlichungen: »Economic and Monetary Union«. In: Gabriele Abels, Andrea Krizsán, Heather MacRae, Anna van der Vleuten (Hrsg.): The Routledge Handbook of Gender and EU Politics New York: Routledge 2021, S. 265-277.


Silke Schneider

Silke Schneider, Dr. phil., ist Politikwissenschaftlerin. Sie forscht und arbeitet in historischer und feministischer Perspektive zu sozialen Ungleichheitsstrukturen sowie Autokratisierungs- und Demokratisierungsprozessen. Sie ist Mitherausgeberin der Femina Politica, derzeit Wissenschaftliche Online-Tutorin an der FernUniversität in Hagen und Lehrbeauftragte an der Evangelischen Hochschule Berlin. Publikationen u.a.: Verbotener Umgang. Ausländer und Deutsche im Nationalsozialismus – Diskurse um Sexualität, Moral, Wissen und Strafe, Baden-Baden: Nomos 2010; »Feministische Perspektiven auf Autokratie«, in: Politikum. Analysen, Kontroversen, Bildung, Heft 1/2018, S. 38-47; »Umkämpfte Solidaritäten«. Schwerpunkt der Femina Politica. Zeitschrift für feministische Politikwissenschaft, H. 2, 2019 (Hrsg. zusammen mit Brigitte Bargetz und Alexandra Scheele); »Hildegard (Hilde) Radusch – Kommunistin und späte Feministin«. In: Siegfried Mielke (Hrsg.) unter Mitarbeit von Marion Goers: Gewerkschafterinnen im NS-Staat. Verfolgung, Widerstand, Emigration, Berlin: Metropol Verlag 2021 (i.E.).


Silke van Dyk

Silke van Dyk, Dr. rer.pol., Professorin für Politische Soziologie am Institut für Soziologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Ihre aktuellen Forschungs- und Arbeitsschwerpunkte sind die Politische Soziologie, die Soziologie sozialer Ungleichheit, die Soziologie der Sozialpolitik und des Wohlfahrtsstaats, die Soziologie des Alters und der Demografie, das Spannungsfeld von Klassen- und Identitätspolitik sowie Prozesse der Informalisierung im Gegenwartskapitalismus. Zuletzt erschienen von ihr u.a. folgende Publikationen: »Wer ist schuld am Rechtspopulismus? Zur Vereinnahmung der Vereinnahmungsdiagnose: eine Kritik«, in: Leviathan, 47 (4), 2019, S. 405-427 [mit Stefanie Graefe] und »Community-Kapitalismus. Die Rekonfiguration von Arbeit und Sorge im Strukturwandel des Wohlfahrtsstaats«, in: Sonderband des Berliner Journal für Soziologie »Große Transformation? Zur Zukunft moderner Gesellschaften«, Wiesbaden: Springer VS 2019, S. 279-296.


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