unrast roman – UNRAST VERLAG https://unrast-verlag.de Bücher der Kritik Thu, 06 Feb 2025 11:26:33 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 https://unrast-verlag.de/wp-content/uploads/2022/10/cropped-unrast_logo-1-32x32.png unrast roman – UNRAST VERLAG https://unrast-verlag.de 32 32 Santiago de Machaca https://unrast-verlag.de/produkt/santiago-de-machaca/ Tue, 29 Oct 2002 23:00:00 +0000 http://neuershop.unrast-verlag.de/?product=santiago-de-machaca Continue reading "Santiago de Machaca"

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Dieser Roman ist das letzte Werk von Jaime Saenz. Santiago de Machaca ist ein Toter, den das Fleckfieber zwar ins Grab gebracht, aber nicht umgebracht hat. Da ein Arzt behauptet hat, er sei tot, hat man ihn auch beerdigt, aber er lebt im Grab weiter. »Das Grab ist überall da, wo man lebt«, sagt er. Santiago erscheint mit dem Abend und »streicht verstohlen« durch die Stadt. Er hat Freunde und Feinde, reist, redet mit den Indios, weiß alles, berät. Er hat sogar eine Freundin, Rosa, die fünfundzwanzig Jahre alt ist und nichts mehr von ihm wissen will, obwohl er ihr dauernd Gold schenkt. »Der Umstand, ein Leben im Tod zu leben, und einen Tod im Leben zu sterben, ist sehr sonderbar«, stellt Santiago fest.

Rezension

Jaime Sáenz: Santiago de Machaca.

Nach “Die Räume” und “Der Señor Balboa” (siehe Besprechung und Sáenz-Porträt in “Lateinamerika Anders” Nr.2/02 Resension ) ist nun der dritte Roman des bolivianischen Autors in deutscher Übersetzung herausgekommen – ein vierter ist bereits in Vorbereitung. Erfreulich und lobenswert, dass sich der kleine linke Verlag aus Münster an so ein ambitioniertes Verlagsprojekt herantraut. Schließlich ist der 1986 verstorbene Schriftsteller nicht nur in Europa völlig unbekannt – mit Ausnahme von Italien, wo ebenfalls mehrere Werke von ihm publiziert wurden –, sondern er ist auch in seiner Heimat wieder dem Vergessen anheimgefallen. Diese Erfahrung musste kürzlich IGLA-Mitarbeiter Robert Lessmann machen, als er in La Paz in mehr als zwanzig Buchhandlungen und Antiquariaten ein Buch von Jaime Sáenz suchte. Erfolglos. Schließlich bekam er es über eine Internet-Versandbuchhandlung aus Kalifornien.
Eine Konstante, die sich durch das ganze Werk von Jaime Sáenz – soweit es dem Rezensenten bisher bekannt ist – hindurchzieht, ist ein ganz eigenartiges, spezifisches Raumgefühl, das der Autor vermittelt. Ein Raum, der weit über die dreidimensionale Räumlichkeit hinausgeht, und den man, mangels eines passenden Ausdrucks, den Sáenz-Raum nennen müsste. Es ist ein schwer beschreibbarer, imaginärer Raum, in dem alles möglich erscheint, die Handlung jederzeit einen unerwarteten Haken schlagen kann, einmal erfüllt von der Tragik und Absurdität des Daseins und dann wieder voller Leere und Banalitäten, die als weise Aussagen verkleidet werden; ein Raum, der in seiner Nicht-Fassbarkeit verunsichert und verwirrt, ein dunkler, kalter Raum.
“Santiago de Machaca” ist der letzte Roman von Jaime Sáenz; er erschien erst 1996, zehn Jahre nach dem Tod des Autors. Die Handlung spinnt das Zentralthema Sáenz’ von Leben, Sterben und Tod weiter. Im “Señor Balboa” hatten die Erben dem verstorbenen Herrn Balboa auf den Grabstein schreiben lassen: “Im Grab lebt das Leben. Es weiß: der Tod ist ein Gemütszustand.” Santiago de Machaca erscheint wie eine Verkörperung dieser Inschrift. Er starb an Fleckfieber, doch nicht ganz, denn nach dem Begräbnis wachte er auf – und lebt seither als Lebender im Grab, das er jedoch nach Lust und Laune verlassen kann. Dann schlendert Herr Santiago durch die Stadt, trifft Bekannte, reist durch das Land – und all das in dem Bewusstsein, dass er in einer undefinierten Zone zwischen Leben und Tod existiert.
Häufig trifft er sich mit dem Ich-Erzähler des Romans – der deutliche autobiographische Züge trägt, vor allem bei den Alkohol-Eskapaden mit Santiago! Die beiden saufen, philosophieren, schmieden Reisepläne. Santiago will seinem Freund seine Goldmine zeigen, von der er immer wieder Fläschchen mit Goldstaub bezieht, woraus er seinen Unterhalt bestreitet. Doch kurz vor der geplanten Abreise verschwindet der Protagonist sang- und klanglos. Niemand weiß, und niemand erfährt, wo er ist. Ende.
Dieser Zwischenraum des Santiago de Machaca zwischen Leben und Tod ist ein typischer Sáenz-Raum. Santiago “weiß sehr wohl, dass er tot ist”, und “ihn erfüllt Entsetzen, weil er glaubt, dass er lebendig ist”. Er lebt das Leben eines normalen Erdenbürgers, doch kehrt er immer wieder ins Grab zurück, lebt dort wie in einem Zweitwohnsitz, spricht mit den Toten. “Ich weiß, dass das Grab überall ist. Alle leben im Grab, aber niemand weiß, wo es ist.” Doch wenn die ganze Welt ein Grab ist, was ist dann der Tod? “Der Tod ist ein Gemütszustand”, heißt es auf der Grabinschrift des Herrn Balboa. Heißt das, dass der Tod nicht das biologische Ende unseres irdischen Daseins ist, sondern nur eine bestimmte mental-emotionale Variante unserer Condition humaine darstellt? Der Tod als Zustand der Leere, wenn die Gefühle erloschen sind?
Doch mit Interpretationen muss man vorsichtig sein bei Jaime Sáenz. Dieser magische Realist vom Altiplano ist auch ein Witzbold, ja manchmal erscheint er sogar als einsamer bolivianischer Vertreter der Nonsense-Literatur. Aber auch wenn seine Aussagen manchmal schwer zu deuten sind: Eine Reise in die Welt des Jaime Sáenz ist allemal sehr zu empfehlen.
Werner Hörtner, Lateinamerika anders

Leonardo García Pabón über Jaime Saenz

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Der Señor Balboa https://unrast-verlag.de/produkt/der-senor-balboa/ Sun, 30 Oct 2022 22:30:41 +0000 http://neuershop.unrast-verlag.de/?product=der-senor-balboa Continue reading "Der Señor Balboa"

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Señor Balboa, ein frommer, gutmütiger und sehr reicher Mann, steht unter dem Pantoffel seiner Frau Julietta, die sich »auftakelt«, Liebhaber hält und wöchentlich große Feste auf Kosten ihres Mannes feiert. Doch auch der Señor hat eine langjährige Geliebte, Vidalita, die er für die ideale Frau hält. Natürlich versucht Señor Balboa sich von seiner tyrannischen Frau zu trennen, es fehlt ihm jedoch an Durchsetzungsvermögen, und so bleibt ihm nichts, als finstere Rachepläne zu schmieden, die er nie in die Tat umsetzt. Als Vidalita stirbt, zieht Senor Balboa in deren Haus, läßt Fenster und Balkone zumauern, den Strom abstellen und verabschiedet sich von der Welt. Seine Freunde lassen für ihn und seine Geliebte ein Mausoleum errichten und in den Grabstein einmeißeln: »In der Ewigkeit ist nichts von Dauer.«

Rezension

Es ist, als ob der Autor sich sprachpsychologisch auf das Gebiet des Hintersinns begibt. Seine komisch-tragischen Figuren sprechen ohne Umschweife aus, was man gemeinhin als Hintergedanken bezeichnet. Was in Gesellschaft also nie ausgesprochen, sondern bestenfalls indirekt mitgeteilt wird. Die Dialoge erinnern oft an jene Art Selbstgespräch, das jeder kennt: das Ringen mit dem eigenen Gewissen, knapp an der Schwelle zum Selbstbetrug. Und Saenz zeigt dabei mit leichter Feder, wie wenig das Bild, das Balboa von sich selbst hat, mit jenem Bild zusammen geht, das andere von ihm haben müssen. Und deckt auf, mit welchen gedanklichen und rhetorischen Strategien der Senor Balboa versucht, den Riss, der sein Selbstbild zu durchziehen beginnt, zu kitten. Dabei ist Balboa zugute zu halten, dass er nicht den leichten Weg wählt.
Angela Delissen – Lorettas Leselampe

Jaime Saenz
Der Herr der Nacht

Der bolivianische Schriftsteller (1921 – 1986) ist außerhalb Lateinamerikas kaum bekannt; der deutsche Unrast Verlag begann vergangenes Jahr mit der Edition seines Werkes.

“Die im Halbdunkel liegenden Räume sind groß, kalt und bedrückend leer …”
“Neben der Tür ist eine Art Gang, dunkel wie ein Grab, der eigentlich ein abscheulicher Windfang ist und den die Señora und ihre Tochter benutzen, um Fleisch und Knochen aufzuhängen.”
“Denn ich weiß bereits, dass die Dunkelheit ewig ist und das Leben ein Funke. Aber dieser Funke bedeutet mehr als alle Dunkelheit.”

Diese Textstellen aus den beiden bisher auf Deutsch erschienenen Büchern von Jaime Saenz “beleuchten” ein wenig die Welt des schrulligen Bolivianers, der viele Jahre seines Lebens nur in der Nacht lebte. Er wohnte in La Paz, in einer Stipendiatenwohnung, die ihm der Staat auf Lebenszeit vermacht hatte, und verschlief den Großteil des Tages in dieser Wohnung. Erst nachts wurde Saenz aktiv, und diese Aktivität war das Schreiben. Er lebte nur für das Schreiben.
Dieser Lebensrhythmus prägte ganz offensichtlich auch die literarische Welt des Jaime Saenz, in der Nacht, Kälte, Ferne, dunkle Räume, der Tod zentrale Themen sind. Es ist eine ganz eigenartige Welt, in die uns der Bolivianer einführt, eine Welt fernab des bilder- und ideensprühenden magischen Realismus, die man sonst mit lateinamerikanischen AutorInnen verbindet. Eine eher langweilige Welt, in der nicht viel passiert, der äußere Handlungsablauf oft spröde und von Nichtigkeiten geprägt ist – und dennoch beginnt diese Welt eine gewisse Faszination auszuüben. Trotz der sparsamen und in einfacher, unprätentiöser Sprache erzählten Handlung gelingt es Saenz immer wieder, die Leserin, den Leser in einen schwer beschreibbaren imaginären Raum einzufangen, in dem alles möglich scheint. In jeder Zeile kann eine Überraschung lauern, kann die Geschichte eine andere Richtung nehmen. Unversehens führt uns der Autor in tiefschürfende philosophische Betrachtungen, die – wohl als Ausdruck seiner ironisch-kritischen Distanz zu allem Existierenden – immer wieder mit Banalitäten gespickt sind. Oder er überrascht mit genauer realistischer Beobachtung von Menschen – und lässt den Protagonisten in der nächsten Minute voll in die Absurdität des Lebens rennen. Wie das Absurde des Daseins überhaupt ein prägendes Element des Nachtmenschen Saenz ist. Und die zentralen Punkte unserer Existenz nichts weiter sind als eine Schimäre, die der kalte Hauch des Schicksals jederzeit wegblasen kann. “Hier bin ich nun, in diesen vier Wänden, und sinne über mein Schicksal nach, besser gesagt über das Grab”, sinniert Herr Balboa im gleichnamigen Roman, nachdem er alle vier Balkone und zehn Fenster seines Hauses hatte zumauern lassen und nur mehr in der Dunkelheit lebte.
In deutscher Übersetzung – von Helga Castellanos und Christa Fabry de Orías – erschienen bisher “Die Räume” und “Der Señor Balboa”; weitere Publikationen von ihm sind in Vorbereitung. Jaime Saenz, der in Bolivien etwa 20 Bücher veröffentlichte – Prosa und Gedichtbände – blieb im außeramerikanischen Ausland bisher weitgehend unentdeckt. In Italien befasst sich seit zwei Jahren der Verlag Crocetti mit der Herausgabe seines Werkes; an der Harvard Universität bemüht sich der Literaturprofessor Forrest Gander, für den Saenz einer der großen Dichter der Weltliteratur des 20. Jahrhunderts ist, den bolivianischen Autor bekannt zu machen.
“Die Räume” ist eine Satire auf die bolivianische Unterschicht und ihren Hang zum Mystizismus, doch ist Satire bei Saenz immer liebevolle Ironie, humorvoller Ausdruck der Liebe zum Menschen und dem Allzumenschlichen. Im scheinbar Geringen steckt das Wichtige, während sich das scheinbar Wichtige oft nur als naive Illusion erweist.
Auch im “Señor Balboa” steht die ironische Betrachtung existentieller Lebensbereiche im Mittelpunkt. Hier sind es die Institution Ehe und das Geschlechterverhältnis, das der Autor bis an die Grenze zur Boshaftigkeit seziert. Diese satirische Analyse ist immer wieder durchsetzt mit Dialogen, die um den Tod, das Grab, die immerwährende Nacht kreisen. Die Erben ließen dem Herrn Balboa folgenden Spruch auf den Grabstein schreiben: “Im Grab lebt das Leben. Es weiß, der Tod ist ein Gemütszustand.”

Jaime Saenz: Die Räume (Los cuartos).

: Der Señor Balboa
– (El Señor Balboa). Übersetzt von Helga Castellanos und Christa Fabry de Orías. Unrast Verlag, Münster 2001, 128 Seiten, 14 Euro.

Werner Hörtner, Lateinamerika anders

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Die Räume https://unrast-verlag.de/produkt/die-raeume/ Mon, 30 Jul 2001 22:00:00 +0000 http://neuershop.unrast-verlag.de/?product=die-raeume Continue reading "Die Räume"

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Zwei alte Frauen, die nur ›Senora‹ und ›Tante‹ genannt werden, leben in ärmlichen Verhältnissen, umgeben von einem Panoptikum skuriler Figuren, wie z.B. Socrates Mazuelos, der sich selbst als Hexer bezeichnet und auf der Suche nach einer Schrift ist, die den genauen Zeitpunkt des Weltuntergangs enthält.

Als die Senora stirbt, vermietet die Tante einen Teil der Räume an die Brüder Chumacero, zwei bekannte Schreiber, die jedoch des Schreibens nicht mächtig sind. Zu diesem Zweck haben sie Soledad Vaca als Sekretärin angestellt. Diese gewinnt das Herz der Tante und soll auf deren Wunsch ebenfalls in die Wohnung ziehen. Doch Soledad Vaca stirbt beim Umzug durch einen Autounfall. Die Tante, erbost über so viel Ungerechtigkeit, wirft die Brüder Chumacero aus ihrer Wohnung. Ihr Alleinsein ist jedoch nicht von Dauer. Der Matratzenmacher Paucura möchte künftig von der Hellseherei leben, und die Tante soll für ihn die Werbetrommel rühren. Nachdem Paucura zwei metaphysischen Fragen zur Zufriedenheit der Tante beantworten kann, willigt sie ein. Das Geschäft mit der Hellseherei floriert. Zu diesem Duo stößt der Dichter Jaime Arlo, der, inspiriert durch die Tante, ein Gedicht über den Geruch des Alters schreibt, und ansonsten metaphysische Gespräche mit Paucuro führt. Bei einem dieser Gespräche vertraut Paucuro ihm an, daß er den Todestag der Tante vorhergesehen hätte. Doch nicht die Tante stirbt, sondern er selbst erhängt sich an diesem Tag. Übrig bleibt einmal mehr die Tante, die verbittert bemerkt: »Alle sterben, nur ich nicht.«

Saenz ist ein Meister des Verbergens. Hinter seinem Humor verbirgt sich eine bissige Ironie, hinter der Ironie die Liebe zum Menschen. Im scheinbar geringen steckt das Wichtige, während das scheinbar Wichtige sich als naive Illusion erweist. Die Suche nach Sinn und Gewißheit, die alle Figuren umtreibt, wird der Lächerlichkeit preisgegeben. Und so wird das zum Wichtigen, was keine der Figuren sonderlich wichtig nimmt: das Leben an sich, oder in Saenz Denkweise: das Anfüllen der Räume mit Leben.

Rezension

Jaime Saenz
Der Herr der Nacht

Der bolivianische Schriftsteller (1921 – 1986) ist außerhalb Lateinamerikas kaum bekannt; der deutsche Unrast Verlag begann vergangenes Jahr mit der Edition seines Werkes.

“Die im Halbdunkel liegenden Räume sind groß, kalt und bedrückend leer …”
“Neben der Tür ist eine Art Gang, dunkel wie ein Grab, der eigentlich ein abscheulicher Windfang ist und den die Señora und ihre Tochter benutzen, um Fleisch und Knochen aufzuhängen.”
“Denn ich weiß bereits, dass die Dunkelheit ewig ist und das Leben ein Funke. Aber dieser Funke bedeutet mehr als alle Dunkelheit.”

Diese Textstellen aus den beiden bisher auf Deutsch erschienenen Büchern von Jaime Saenz “beleuchten” ein wenig die Welt des schrulligen Bolivianers, der viele Jahre seines Lebens nur in der Nacht lebte. Er wohnte in La Paz, in einer Stipendiatenwohnung, die ihm der Staat auf Lebenszeit vermacht hatte, und verschlief den Großteil des Tages in dieser Wohnung. Erst nachts wurde Saenz aktiv, und diese Aktivität war das Schreiben. Er lebte nur für das Schreiben.
Dieser Lebensrhythmus prägte ganz offensichtlich auch die literarische Welt des Jaime Saenz, in der Nacht, Kälte, Ferne, dunkle Räume, der Tod zentrale Themen sind. Es ist eine ganz eigenartige Welt, in die uns der Bolivianer einführt, eine Welt fernab des bilder- und ideensprühenden magischen Realismus, die man sonst mit lateinamerikanischen AutorInnen verbindet. Eine eher langweilige Welt, in der nicht viel passiert, der äußere Handlungsablauf oft spröde und von Nichtigkeiten geprägt ist – und dennoch beginnt diese Welt eine gewisse Faszination auszuüben. Trotz der sparsamen und in einfacher, unprätentiöser Sprache erzählten Handlung gelingt es Saenz immer wieder, die Leserin, den Leser in einen schwer beschreibbaren imaginären Raum einzufangen, in dem alles möglich scheint. In jeder Zeile kann eine Überraschung lauern, kann die Geschichte eine andere Richtung nehmen. Unversehens führt uns der Autor in tiefschürfende philosophische Betrachtungen, die – wohl als Ausdruck seiner ironisch-kritischen Distanz zu allem Existierenden – immer wieder mit Banalitäten gespickt sind. Oder er überrascht mit genauer realistischer Beobachtung von Menschen – und lässt den Protagonisten in der nächsten Minute voll in die Absurdität des Lebens rennen. Wie das Absurde des Daseins überhaupt ein prägendes Element des Nachtmenschen Saenz ist. Und die zentralen Punkte unserer Existenz nichts weiter sind als eine Schimäre, die der kalte Hauch des Schicksals jederzeit wegblasen kann. “Hier bin ich nun, in diesen vier Wänden, und sinne über mein Schicksal nach, besser gesagt über das Grab”, sinniert Herr Balboa im gleichnamigen Roman, nachdem er alle vier Balkone und zehn Fenster seines Hauses hatte zumauern lassen und nur mehr in der Dunkelheit lebte.
In deutscher Übersetzung – von Helga Castellanos und Christa Fabry de Orías – erschienen bisher “Die Räume” und “Der Señor Balboa”; weitere Publikationen von ihm sind in Vorbereitung. Jaime Saenz, der in Bolivien etwa 20 Bücher veröffentlichte – Prosa und Gedichtbände – blieb im außeramerikanischen Ausland bisher weitgehend unentdeckt. In Italien befasst sich seit zwei Jahren der Verlag Crocetti mit der Herausgabe seines Werkes; an der Harvard Universität bemüht sich der Literaturprofessor Forrest Gander, für den Saenz einer der großen Dichter der Weltliteratur des 20. Jahrhunderts ist, den bolivianischen Autor bekannt zu machen.
“Die Räume” ist eine Satire auf die bolivianische Unterschicht und ihren Hang zum Mystizismus, doch ist Satire bei Saenz immer liebevolle Ironie, humorvoller Ausdruck der Liebe zum Menschen und dem Allzumenschlichen. Im scheinbar Geringen steckt das Wichtige, während sich das scheinbar Wichtige oft nur als naive Illusion erweist.
Auch im “Señor Balboa” steht die ironische Betrachtung existentieller Lebensbereiche im Mittelpunkt. Hier sind es die Institution Ehe und das Geschlechterverhältnis, das der Autor bis an die Grenze zur Boshaftigkeit seziert. Diese satirische Analyse ist immer wieder durchsetzt mit Dialogen, die um den Tod, das Grab, die immerwährende Nacht kreisen. Die Erben ließen dem Herrn Balboa folgenden Spruch auf den Grabstein schreiben: “Im Grab lebt das Leben. Es weiß, der Tod ist ein Gemütszustand.”

Jaime Saenz: Die Räume (Los cuartos).

: Der Señor Balboa
– (El Señor Balboa).

Werner Hörtner, Lateinamerika anders

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Charaktere https://unrast-verlag.de/produkt/charaktere/ Sat, 29 Jan 2000 23:00:00 +0000 http://neuershop.unrast-verlag.de/?product=charaktere Continue reading "Charaktere"

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In seinem Roman, angesiedelt im Istanbul der Gegenwart, portraitiert Arslanoğlu die türkischen Linksintellektuellen zwischen Angst, Orientierungslosigkeit und der Suche nach (meist individuellen) Perspektiven.

Sercan, Dozent für Literatur sowie Schriftsteller und Kritiker, ist ein angepaßter Linksintellektueller, der »plumpe Linkslogik haßt«, und scheinbar ganz in seiner wissenschaftlichen Tätigkeit aufgeht. Er steht zwischen zwei Frauen: Nilüfer, eine bis zur Selbstzerstörung lebenshungrige Frau, die er einst heiratete um anschließend an ihren »psychopatischen Tendenzen« fast zu zerbrechen. Nachdem sie mehrfach seine Bitten, sich scheiden zu lassen, abgelehnt hat, versucht er sie mit Gewalt zur Einwilligung zu zwingen. Schließlich treibt er sie bewußt in den Tod.

Mittlerweile hat er sich ein weiteres Mal verliebt: in Sibel, eine seiner Studentinnen, die vom Lande kommt und eine ehemalige »revolutionäre Aktivistin« ist. Aus Angst hat sie die Bewegung verlassen und sich anschließend von ihrem Freund Umut getrennt, der, ebenfalls zur Bewegung gehörend, nicht zu ihr hielt und das ganze Leben nur als revolutionäre Pflicht ansieht.

Umut, der bei seinem Vater, einem frustrierten Revolutionär der 68er-Generation, lebt, verliert durch diese Trennung seinen letzten Halt. Er »will nicht mehr in so einer Welt leben« und »nutzt« eine Polizeiaktion gegen eine konspirative Wohnung, um in den »heldenhaften« Tod zu gehen

Ein zweiter Erzählstrang, der sich im letzten Kapitel als neuer Roman Sercans entpuppt, schildert die Geschichte von Sinan, einem Erfolgsjournalisten und Frauenhelden. Von den Linken wegen seiner Artikel geachtet, von den Fundamentalisten bedroht, lebt er in einer Welt, die sich im Romanverlauf zunehmend als durch Oberflächlichkeiten sowie Prestige- und Machtdenken korrumpiert entlarvt.

Auch er steht zwischen zwei Frauen: Filiz, unpolitisch und auf ihre Karriere bedacht, das neueste Objekt seiner Begierde, und Hülya, einer alten Bekannten, die ihn nach 5 Jahren dringend zu sich bestellt. Wie sich herausstellt, ist Hülya unheilbar krebskrank. Sie ist bestens über Sinan informiert und »errät« seine Gedanken, was Sinan zuerst reizt, dann zunehmend erschreckt. Sie treffen sich fortan regelmäßig. Hülya erzählt ihm ihre meist morbiden Träume und beginnt, Sinans egoistischen und oberflächlichen Charakter aggressiv anzugreifen. Sinan fühlt sich von ihr erniedrigt und angezogen zugleich. Einerseits lebt er in der ständigen Angst, von Hülya erschossen zu werden, andererseits schläft er mit ihr. Seine Welt gerät aus den Fugen. Erst durch ihren Selbstmord und ihren Abschiedsbrief wird ihm deutlich, daß er eine Freundin verloren hat, und über seine Trauer entdeckt er ein Gefühl, daß er schon seit langer Zeit nicht mehr wahrgenommen hat: Glück.

Gewählt zu einem der »75 wichtigsten Bücher, die den 75 Jahren türkischer Republik ihren Stempel aufdrückten«
(Umfrage der Zeitschrift Kitaplik unter den führenden Kulturschaffenden)

Aufgeführt in »100 Romane aus 100 Jahren«, Istanbul 1999


Pressestimmen

“Mit seinen Romanen, die zu den äußerst bedeutenden Beispielen politischer Literatur zu rechnen sind, ist er ein Autor, der sich aufschwingt, etwas zu tun, was andere nicht wagten (…) Er wird, so glaube ich, auch in den kommenden Jahren seine besondere Stellung wahren.”
Semih Gümüs (Literaturkritiker) in: Garten der Erzählung, Istanbul 1999

Auszug aus der FAZ, 28.2.2001, Karl-Markus Gauss
„Am Ende sind zwei tot, und zwei andere haben sich gefunden. Für Kaan Arslanoglu, einen in der Türkei sehr erfolgreichen, Autor und Psychiater aus Istanbul, ist der Roman so etwas wie ein Labor, in dem mit verschiedenen Lebensläufen experimentiert wird. (…) Das ergibt einen mitunter reichlich verschachtelten, aber kompositorisch doch so klug gebauten Roman, daß man lesend nicht die halbe Zeit damit zubringen muß zu klären, auf welcher Ebene des Romans man sich gerade befindet. Zwei Paare mit ihren Trabanten, alles in allem zwei Handvoll ‚Charaktere’ bringt der Erzähler auf verschlungenen Wegen zusammen, um zu erkunden, was die türkische Gesellschaft der achtziger Jahre bestimmt hat. (…)“

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Leben ohne Leander https://unrast-verlag.de/produkt/leben-ohne-leander/ Fri, 29 Jan 1999 23:00:00 +0000 http://neuershop.unrast-verlag.de/?product=leben-ohne-leander Continue reading "Leben ohne Leander"

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Leben ohne Leander ist ein aus der Ich-Perspektive geschriebener emotional aufwühlender Roman über die Bewältigung des Todes eines geliebten Menschen. Trauer und Trostversuche, innere Leere und die permanente Anwesenheit des Toten, die Annäherung an das Phänomen Tod und die ersten ›Gehversuche‹ hin zur Bewältigung und zu einem neuen Leben – Michaela Seul versucht, das nahezu Unsagbare zu formulieren und bis in die Abgründe eines trauernden Menschen vorzudringen. Dort findet sie allerdings nicht nur Verzweiflung, sondern auch den Beginn eines Lebens, das durch die Erfahrung des Todes tiefe Bereicherung erfährt.
Gibt es, fragt die Autorin, eine intensivere Art sich mit dem Leben auseinanderzusetzen als die, es von seiner radikalsten Perspektive zu betrachten, der seiner Endlichkeit? Sicherlich ein Buch, das vielen Menschen bei ihrer Trauerarbeit helfen wird, aber auch ein Buch über die Liebe und die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit.

»(…) ein hochsensibles, bis in die letzten Tiefen des Gefühls gehendes Buch, das unter die Haut geht. (…) Sehr behutsam geht M. Seul das schwierige Thema an, findet für die unendliche Trauer die richtigen Worte. Das Buch ist ein Gewinn für jede Bibliothek.«Dagmar Härter, ekz Informationsdienst

»Michaela Seul hat ein ganz wunderbares Buch geschrieben – bissig bis zum Erbrechen und rührend zum Heulen.«Papillon


LESEPROBE

Zweiter Tag
Tomma war fort. So wollte ich es. Wollte wissen, wie es ist, allein in der Wohnung. Obwohl ich oft allein gewesen war, dieses Alleinsein war anders. Die Dinge sahen nicht mehr aus wie zuvor. Unsichtbare schwarze Schleier wehten durch die Luft. Atmeten den Verlust. Unsicher legte ich die CD mit unserer Lieblingsmusik ein. Wußte nicht, ob ich sie ertragen könnte, erinnerte mich an Trennungen ohne Tod, da fürchtete ich Musik, die mich erinnerte. Doch die Musik tat gut. Ich drehte sie laut, bis die Boxen krachten. Spürte dich. Ein Stück weiter entfernt als gestern, doch noch immer hier. Nicht angekommen an dem Ort, für den ich kein anderes Wort als Jenseits wußte, sondern suchend. Zurück, so wie ich es gestern empfunden hatte, wolltest du nicht mehr.

Ich legte mich auf den Boden. Dorthin, wo ich dich gefunden hatte. Ein guter Ort. Friedlich und überhaupt nicht bedrohlich. Jetzt schwanger sein! Das Kind käme mit dem Frühling. Es wäre das größte Geschenk, die größte Gefahr. Aber warum sollte ich diesmal schwanger sein, wo wir immer Glück gehabt hatten. Auch Glück bedeutete nun etwas anderes. Hätte ich ein Kind, dachte ich, wäre ich nicht allein, und im selben Atemzug: ich bin nie mehr allein, jetzt bin ich für immer verbunden.

Lang stand ich unter der Dusche. Das Licht im Bad ging an und aus. Etwas später entdeckte ich zwei kaputte Glühbirnen in verschiedenen Zimmern. Insgesamt sollten in fünf Tagen sieben Glühbirnen kaputtgehen. Ich duschte bis das Wasser kühl wurde, duschte den Boiler für uns beide leer, und dann nahm ich dein letztes Hemd und brachte es ins Krankenhaus, wo man dich zwischengelagert hatte, ehe man dich in die große Stadt überführen würde. Ich ging langsam. Die Tasche war schwer. Ich trug dein letztes Hemd durch die Stadt, die aussah wie immer. Frauen mit bunten Körben, leuchtende Frühlingsfarben, Motorräder. Vereinzelt Japaner mit schweren Fototaschen. Junge Familien mit Kinderwagen, und die Väter schoben. Alles war wie immer. Nichts war wie immer. Doch ich ging eingehüllt in dich. Du warst mit mir. Es kam mir vor, als paßte dieser Tod zu meinem Leben. Es war der erste tödliche Schicksalsschlag, doch in mir hatte es viele Tode gegeben. Bis ich Leander kennenlernte. Bei ihm war ich angekommen. Zum ersten Mal angekommen. Leander hatte die Scherben, die von mir übriggeblieben waren, gekittet. Es hatte lang gedauert. Jahre. Als der Kleber trocken war, hatte er mich verlassen. Wäre er drei Monate zuvor gestorben, hätte ich nicht so sicher gehen können. Leander war nicht mehr mein Felsen weit draußen in der Brandung. War es aber lang gewesen. Als ich es gemerkt hatte, war ich sehr erschrocken, denn es paßte nicht in das Bild, dem ich gerne entsprochen hätte. Ich hatte begonnen, mein Ufer zu suchen, eigenen Boden zu erobern. Zuerst ein kleiner Holzsteg, von dem Felsen zum Ufer. Brachte die ersten Sachen an mein Land, rannte immer wieder über den Steg und manchmal sogar in die andere Richtung, weit hinein ins Land, das aber fremd war und mir Angst machte, die ich wild tanzend zu überwinden suchte. Daß Leander immer da war, zu warten schien, machte mich sicher, obwohl ich wußte, seine Sicherheit durfte nicht meine sein. Nach und nach richtete ich mich häuslich ein auf meinem Boden. Indem ich mich niederließ, befreite ich Leander. Er brauchte nicht mehr zu kämpfen mit den Wogen. Ich brauchte ihn nicht mehr, um mich über Wasser zu tragen. Ich vertraute dem Meer, spielte mit den Wellen, und weil ich spielte, ließ es mir Land.

Ich ging auf das Gebäude des Krankenhauses zu. An der Anmeldung fragte ich nach dem Zimmer, das mir der Notarzt genannt hatte. Dort saß ein verwachsener junger Mann im Rollstuhl.
Ich bringe das letzte Hemd. Das letzte Hemd für Leander, sagte ich.
Können Sie nicht lesen! Ich öffne erst in einer Stunde!
Aber ich bringe doch … Tränen schossen mir in die Augen.
Ist schon gut, sagte der Mann.

Ich nahm das Hemd aus der Tasche und drückte es an mein Gesicht. Benetzte es mit meinen Tränen. Ließ mir die Zeit, die ich brauchte. Dann legte ich es auf den Tisch und ging. Drehte mich nicht um. Ging nach Hause, nannte es aber nicht nach Hause, sondern zurück. Konnte mich eine Stunde später nicht erinnern, den Weg gegangen zu sein. Dachte aber, daß es mich noch härter treffen könnte. Leander war tot, doch ich lebte und war gesund und hatte ein denkmalgeschütztes Dach über dem Kopf, genug zu essen, Freunde und Arbeit. Fremde Schicksale fielen mir ein. Wenn Menschen alle Angehörigen auf einmal verloren. Im wahrsten Sinne des Wortes vor dem Nichts standen. Was, wenn Tomma verunglückte. Was, wenn …

Ich war nicht lange fort gewesen, doch wieder hatten sieben Menschen angerufen. Ein Freund von Leander sprach mehrere Minuten auf Band. Ich hatte ihn verkannt. Worte können nicht trösten, das hatte ich oft gehört, doch es gab Menschen, die Worte sagten, die mich erreichten. Worte, die ausdrückten, was ich empfand. Von Menschen, die keine Furcht hatten, sich einzufühlen, keine Furcht, ihre Abgründe zu benennen. Es waren wenige. Ansonsten viele Allgemeinplätze, in hohle Stimmen gewickelt. Sie ließen mich meinen Schmerz noch greller empfinden. Kein Leander in der Küche, dem ich zurufen konnte: Stell dir vor, was für einen Quatsch der erzählt! Kein Leander, der sagte: Leila, er meint es nicht so, er kann nicht anders.

Ich ging ins Studio. Überall Fremde. Tontechniker, die ich nie zuvor gesehen hatte, schleppten Kabel und beugten sich über Mischpulte. Alles ging weiter. Ging weiter, als lebte Leander.

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MitGift https://unrast-verlag.de/produkt/mitgift/ Sun, 12 Jul 1998 22:00:00 +0000 http://neuershop.unrast-verlag.de/?product=mitgift Continue reading "MitGift"

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Josefine wird mit gerade 19 Jahren schwanger. Als zu junge Mutter fühlt sie sich in dieser Rolle wie in einer Falle. Sie beobachtet die anderen – vermeintlich glücklichen – Mütter und gibt Tochter Laura die Schuld für ihre Situation: »In allen Räumen hat sich das Kind ausgebreitet wie eine immer fetter werdende Made.«
Und so ist Laura in ihrer Kindheit, dominiert von den mütterlichen Projektionen aus bürgerlichen Idealen und der Frustration über die entgangene Freiheit, gefangen in einer gewalttätigen Welt aus Verboten, Strafen, Lügen – bis ihre Oma erscheint: eine abenteuerlich unkonventionelle und warmherzige Frau, die für Laura zur ›Retterin‹ wird.
In einer Zeitschere wird die Geschichte dieser drei Frauengenerationen auf überraschende Weise entschlüsselt.

»Witz und Esprit kommen übrigens keinesfalls zu kurz […] Das Buch ist mit scharfer Brennweite geschrieben, psychologisch genau, feinfühlig aber niemals sentimental.«Jörg André Dahlmeyer, junge Welt

»Die Autorin erzählt von Oma und Laura mit mitreißender Heiterkeit und Komik. Sie flicht auch Omas Kinderjahre zu Anfang unseres Jahrhunderts in ihren Roman ein und versteht es glänzend, ohne viel Aufhebens und mit großem Erzähltalent klarzumachen, was es im Verlauf von drei Generationen bedeutet, in userer Gesellschaft ein weiblicher Mensch zu sein.«B.O:, Mathilda

»Spannend und wunderbar geschrieben, unbedingt empfehlenswert.« – Dagmar Härter, ekz-Informationsdienst

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SLASH https://unrast-verlag.de/produkt/slash/ Wed, 30 Jul 1997 22:00:00 +0000 http://neuershop.unrast-verlag.de/?product=slash Continue reading "SLASH"

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Ein packender Roman über einen jungen kanadischen Okanagan und seinen Weg des politischen Widerstands innerhalb der Red Power Bewegung.
Tommy Kelasket – Spitzname Slash – und Jimmy sind zwei indianische Jugendliche, die gemeinsam im Reservat aufwachsen. Beide erleben den Rassismus der kanadischen Gesellschaft, die Verachtung und Diskriminierung, die traditionellen IndianerInnen entgegenschlägt.
Als junger Erwachsener verläßt Tommy das Reservat und geht in die Stadt, wo er mit dem Schicksal vieler indigener Menschen in der Stadt konfrontiert wird, die in einem Zyklus von Armut, Gewalt und Drogen gefangen sind. Dort begegnet er schließlich der Sozialarbeiterin und engagierten Kämpferin Mardi, gelangt durch sie auf den Weg des politischen Widerstandes …

»Jeannette Armstrongs Roman Slash ist die bewegende Story über das Erwachsenwerden eines jungen Okanagan Indianers. Armstrong schreibt überzeugend über das Leben im Reservat, über Slashs frühe Jahre und seine politische Entwicklung […] Dieser Roman ist sehr geradlinig geschrieben- lesenswert!«The Vancouver Sun

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West Belfast https://unrast-verlag.de/produkt/west-belfast/ Tue, 29 Jul 1997 22:00:00 +0000 http://neuershop.unrast-verlag.de/?product=west-belfast Continue reading "West Belfast"

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Es sind die Tage, in denen die ‘troubles’ in Nordirland begannen – eine Zeit der politischen Weichenstellungen und persönlichen Entscheidungen…
Morrison erzählt die Geschichte einer typischen katholischen Familie in Belfast und von den Auswirkungen des beginnenden Krieges.

»….eine Lektüre, die ungeahnte Einsichten in das Lebensgefühl eines irischen Gettos gewährt.«Kölner Stadtanzeiger


Leseprobe

Als die Nachrichten über die Ausgangssperre und über den folgenden Widerstand die Welt erreichten, strömten die internationalen Medienvertreter in Scharen herbei. Gegen Samstagnachmittag begannen die Gerüchte über die Zerstörung von Häusern und die Prügelszenen innerhalb des abgesperrten Gebietes nach draußen zu dringen. Nationalistische Politiker und katholische Geistliche verurteilten das Vorgehen der britischen Armee. Die Briten gaben bekannt, daß die Geschäfte innerhalb der abgeriegelten Zone für zwei Stunden öffnen könnten, aber kein Personen- oder Warenverkehr innerhalb oder außerhalb des Sperrgebietes stattfinden dürfe. Jetzt erhöhte sich der Druck auf die britische Regierung, den Durchsuchungen von Haus zu Haus Einhalt zu gebieten. Britische Offiziere begannen nun unter Zeitdruck aufs Geratewohl eine bestimmte Anzahl von Häusern in jeder Straße auszusuchen oder in manchen Fällen auch einfach nur eine Straßenseite zu durchsuchen.

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