Was ist, wenn die eigene Verletzlichkeit nicht die Schwäche professioneller (und persönlicher) Beziehungen ist, sondern ihre Voraussetzung?
Dieses Buch nimmt die Beziehung in der Sozialen Arbeit als Ausgangspunkt. In einer Zeit, in der professionelle Praxis zunehmend von Distanz, Schemata und ökonomischen Logiken geprägt ist, fragt es danach, was geschieht, wenn wir Verletzlichkeit nicht ausklammern, sondern als gemeinsamen Bezugspunkt ernst nehmen – und was das für Beziehungen bedeutet, sowohl in sozialen Berufen als auch für den Umgang miteinander in einer krisengeprägten, vielfach gebeutelten Welt.
Wenn die eigene Verletzlichkeit der Professionist*innen nicht länger als Risiko begriffen wird, das es zu kontrollieren gilt, sondern als Teil professioneller Präsenz, verschiebt sich der Blick auf Beziehung grundlegend. Sie wird nicht mehr als Störfaktor verstanden, sondern als Zugang: zu Resonanz, zu Empathie und zu einer Form von Verbundenheit, die nicht hergestellt werden kann, sondern entsteht.
Ausgehend von der Annahme, dass Verletzlichkeit eine grundlegende menschliche Bedingung ist, eröffnet das Buch eine Suchbewegung:
Wie kann aus dieser geteilten Verletzlichkeit Verbindung entstehen?
Wie kann sie dazu beitragen, Begegnung zu ermöglichen, anstatt sie zu verhindern?
Und welche Formen von Handlungsmacht werden sichtbar, wenn wir beginnen, professionelle Beziehungen nicht über Kontrolle, Effizienz und Zielerreichung zu denken, sondern über Präsenz und Bezogenheit?
Das Buch ist dialogisch angelegt. Es entsteht in Gesprächen, Annäherungen und gemeinsamen Denkbewegungen mit unterschiedlichen Autor*innen, die aus ihren jeweiligen Perspektiven auf Verletzlichkeit, Beziehung und gesellschaftliche Bedingungen blicken. Die Beiträge sind bewusst nicht als abgeschlossene Einzeltexte konzipiert, sondern als Resonanzräume, in denen sich Gedanken entwickeln, verschieben und gegenseitig herausfordern.
Mit dabei sind unter anderem Lann Hornscheidt, Nadia Shehadeh, Amani Abuzahra, Francis Seeck, Daniela Dröscher, Michael Domes, Jörg Zirfas und Barbara Wolf, die jeweils eigene thematische Zugänge eröffnen – etwa zu Scham, Berührbarkeit und Trauer, Ungleichheit, Zugehörigkeit, Körperlichkeit und gesellschaftlichen Machtverhältnissen.
Dabei bleibt die Perspektive nicht auf die Soziale Arbeit beschränkt. Vielmehr wird sie zum Ausgangspunkt, von dem aus weitergehende gesellschaftliche Fragen in den Blick geraten: Fragen nach Zusammenleben, Solidarität und den Bedingungen, unter denen Beziehung in einer von Ökonomisierung geprägten Welt überhaupt möglich ist.
Das Buch versteht sich als Einladung, soziale Arbeit von der Beziehung her neu zu betrachten und Verletzlichkeit als Ausgangspunkt für ein anderes Verständnis von Miteinander zu begreifen.













