Eine Kritik der totalitär-kapitalistischen Privatstädte in Honduras

Privatstädte

Labore für einen neuen Manchesterkapitalismus
ISBN: 978-3-89771-175-4
Erscheinungsdatum 7. April 2022

14,00 

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Seit der Weltwirtschaftskrise von 2008 arbeiten fanatisch-neoliberale (›proprietaristische‹) Netzwerke an der Entwicklung von Privatstädten, in denen private Unternehmen als unumschränkte Eigentümer jegliche Demokratie ersetzen sollen. Dabei werden bewusst Regionen in armen Staaten ausgesucht, wie beispielsweise in Honduras, wo nach dem Putsch von 2009 die politischen und juristischen Weichen für drei solcher Investorenstädte gestellt wurden, die zurzeit als Pilotprojekte errichtet werden.­ Als ausgewiesene Sonderwirtschaftszonen, denen weitgehende Autonomie in Gesetzgebung, Rechtsprechung und Verwaltung zugesprochen wird, hebeln diese Privatstädte nicht nur die Souveränität des Staates aus, sondern enteignen auch die lokale Bevölkerung und stellen sie vor die Wahl, sich ihren neuen Herren zu unterwerfen und für sie zu arbeiten oder ihre angestammte Heimat zu verlassen.
Vor allem gebürtige Deutsche wie der Investor Peter Thiel (Paypal), der Architekt Patrik Schumacher (Zaha Hadid Architects) oder der Privat­stadtunternehmer Titus Gebel treiben diese Entdemokratisierungs­­projekte voran und setzen dabei auf Blockchain-Technologien, um Anteile­ an ihren Unternehmungen zu verkaufen. Die AfD forderte unlängst die Ausrichtung der deutschen Entwicklungs­politik auf die Förderung solcher Modellstädte.

Diese Privatstädte mit eigenen Gesetzen, eigener Gerichtsbarkeit und Polizei dienen als Labore für einen neuen Manchesterkapitalismus in einer postfordistischen Brave New World, wo Demokratie auf »Abstimmung mit dem Geldbeutel« zurückgefahren wird. Doch die Netzwerke dieser selbsternannten ›Libertarians‹ mit ihren konspirativen Privatstadt-Bestrebungen stoßen allmählich auch auf Wider­stand …

Andreas Kemper, geboren 1963, ist freischaffender Soziologe und Beirat des Duisburger Instituts für Sprach- und Sozialforschung (DISS). Er machte ab 2009 den Begriff ›Klassismus‹ bekannt und trug zur Selbstorganisierung von Arbeiterkindern gegen Bildungsbenachteiligungen an Hochschulen bei. Kemper gab bereits im Juli 2013 das erste Buch zur AfD heraus und warnte 2014 vor einem faschistischen Flügel (rund um Björn Höcke) der AfD. Die erste Beobachtung von Teilen der AfD durch den Verfassungsschutz ging direkt auf Kempers Analysen zurück. Er analysiert die Sprache der Rechten und antifeministische Narrative als rechte Brückenideologie. In seinem neuen Podcast »Tagebuch des Neoaristokratismus« (andreaskemper.org) dokumentiert Kemper die Re-Politisierung des alten Adels (von Storch, von Thurn & Taxis, von Beverfoerde…) über einen reaktionären Antifeminismus und zugleich die demokratiefeindlichen Tendenzen eines sogenannten ›Rechtslibertarismus‹ von Tech-Milliardären durch Sozialabbau, KI und Privatstädte.

weitere Informationen unter https://andreaskemper.org/


»AfD-Experte Andreas Kemper über (...) den Rechtsruck« – Jung & Naiv. Politik für Desinteressierte, Podcast, #687, 18. Januar 2024 [03:06:09 min.]


»Privatstädte: Eine Stadt ganz ohne Staat?« Eine Reportage von ARD-Korrespondentin Marie-Kristin Boese, darin ein Interview mit Andreas Kemper [ab 14:55 min] – Weltspiegel Podcast, 4. Februar 2023 [27:00 min.]


»Einen ›reinen‹ Kapitalismus etablieren« Beitrag von Andreas Kemper – CONTRASTE, Redaktion Projekte, 1. September 2022

»Gegen Staat, für Kapital« Dominik Lenze über Privatstädte – jungle world, 14. Juli 2022


»Welche Folgen haben Privatstädte für angrenzende Länder?« Gespräch mit Andreas Kemper – detektor.fm, 06. Juli 2022 [09:25 min.]


»Wo Unternehmermacht die Demokratie ersetzt« Gespräch mit Andreas Kemper – Dissens Podcast #174, 11. Mai 2022 [53:57 min.]


»Exklusiv und antidemokratisch« Artikel von Andreas Kemper – Frankfurter Rundschau, 02. Februar 2022


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