Das Buch hinterfragt das sogenannte Abendland hinsichtlich seiner religiösen Grundlagen
Margarete Jäger, Jürgen Link (Hg.)

Macht – Religion – Politik

Zur Renaissance religiöser Praktiken und Mentalitäten

ISBN 978-3-89771-740-4
Erscheinungsdatum: Oktober 2006
Seiten: 304
Reihe: Edition DISS Band: 11
Ausstattung: softcover
24,00 €

Beschreibung

Edition DISS Bd. 11
Kurztext
Dass mit Religion Politik gemacht wird und damit Macht und Herrschaft verbunden sind, ist keine neue Erkenntnis. Gerade in den letzten Jahren sind solche „Spiele der Macht“ (Foucault) vor allem in Verbindung mit dem Islam diskutiert und problematisiert worden. Vielfach wird dabei jedoch die Frage vernachlässigt, inwieweit die politischen Grundlagen in Deutschland und Europa durch Religion geprägt sind und spirituelle Bedürfnisse (aus)nutzen. Das Buch will deshalb das sogenannte Abendland hinsichtlich seiner religiösen Grundlagen befragen. Auf welche Weise machen sie sich diese politisch geltend? Haben wir es mit einer Renaissance religiöser Phantasien zu tun? Nimmt ihr Einfluss auf die Politik zu?

Inhalt
Der Komplex Religion, Macht und Politik wird seit Jahren in Deutschland heftig diskutiert und kritisiert. Vielfach wird er jedoch focussiert auf den Islam und sein Verhältnis zu westlich geprägten Demokratien. Vernachlässigt wird, die eigenen politischen Grundlagen daraufhin zu befragen, inwieweit sie durch Religion geprägt sind und spirituelle Bedürfnisse (aus)nutzen. Die Autorinnen gehen diesen Fragen nach und analysieren, ob und wie sich religiöse Ideen politisch geltend machen und ob diese Ideen inner- und zwischenstaatliche Politiken und Konflikte (zunehmend) beeinflussen.Es werden die Möglichkeiten einer (neuen) Religionskritik thematisiert wie auch das Verhältnis von Judentum und Vernunftreligion, das bis in die Gegenwart hinein die Beziehungen zwischen Juden und Nicht-Juden bestimmt.Daneben geht es um die Frage, inwiefern und ob das Konzept Globalisierung/Kapitalismus zu einer Art Religionsersatz mutieren konnte und ob und inwieweit fundamentalistisch gewendetes Christentum als Stütze länderübergreifender Machtpolitik seitens der Bush-Administration zu agieren versucht.Und schließlich geht es auch um die Frage einer möglichen Islamisierung Europas, sowie um die Folgen „islamistischer“ Terroranschläge auf das politische Klima nicht nur in diesen Ländern.

Aus dem Inhalt

Einleitung

Moshe Zuckermann:
Kants Religionsschrift. Überlegungen zu Vernunft und Religion auf dem kurzen Weg missglückter Säkularisierung

Alfred Schobert:
Religionskritik und Dekonstruktion: Jacques Derridas Arbeiten über „Religion“

Richard Faber:
„Das ist die Synagoge, in die ich nicht gehe.“

Jobst Paul:
Das Konvergenzprojekt – Humanitätsreligion und Judentum im 19. Jahrhundert

Jürgen Link:
As-soziationskrisen zwischen Kapitalismus und Normalismus und die verstärkte Attraktivität apokalyptischer Religiosität

Heinz Brüggemann:
Religion im öffentlichen Raum

Frank Unger:
USA: Supermacht wiedergeborener Christen?

Moshe Zuckermann:
Staat und Religion in Israel

Andreas Umland:
Der „Neoeurasismus“ des Aleksandr Dugin: Zur politischen Strategie der russischen „Neuen Rechten“ sowie zur Rolle des integralen Traditionalismus und (quasi-)religiöser Elemente in ihrer Ideologie

Claudia Dantschke:
Islam und Islamismus in Deutschland

Ineke van der Valk:
Van Gogh und die Folgen

Margarete Jäger:
Diskursive Effekte der Kopftuchdebatte im deutschen Einwanderungsdiskurs

Daniela Marx:
Vom ›feministischen Schreckgespenst‹ zur gefragten Expertin - Alice Schwarzers Islamismuskritik als Eintrittskarte in die Welt der Mainstream-Medien

Autor*innen

Margarete Jäger

Dr. Margarete Jäger ist Kulturwissenschaftlerin und stellvertretende Leiterin des Duisburger Instituts für Sprach- und Sozialforschung (DISS). Ihre Forschungsschwerpunkte sind Studien zu Politik-, Medien- und Alltagsdiskursen, insbesondere in Bezug auf Gender, Rassismus, Migration, Rechtsextremismus und Krieg.
Jüngere Veröffentlichungen: 2011: Krieg ohne Ende: Afghanistan und die Medien
in: Rolf van Raden / Siegfried Jäger (Hg.): Im Griff der Medien.
Krisenproduktion und Subjektivierungseffekte, edition DISS, Münster: Unrast;

2010: Rassismus und Normalität im Alltagsdiskurs. Anmerkungen zu einem paradoxem Verhältnis, in:
Anne Broden / Paul Mecheril (Hg.): Rassismus bildet. Bildungswissenschaftliche Beitrage zu Normalisierung und Subjektivierung in der Migrationsgesellschaft, Bielefeld: Transcript;

2008: Deutungskämpfe. Theorie und Praxis Kritischer Diskursanalyse, Wiesbaden: VS (zusammen mit Siegfried Jäger).


Jürgen Link

Prof. Dr. phil. Jürgen Link ist Literatur- und Kulturwissenschaftler an der Universität Dortmund und Herausgeber der „zeitschrift für angewandte diskurstheorie kultuRRevolution“. Arbeitsschwerpunkte: Angewandte Diskurstheorie, Kollektivsymboltheorie, Theorie des Normalismus. Neueste Veröffentlichungen: Versuch über den Normalismus. Wie Normalität produziert wird, 3., ergänzte, überarbeitete und neu gestaltete Aufl. 2006, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.


Alfred Schobert

Alfred Schobert war seit Anfang der 90er Jahre Mitarbeiter im AK gegen Rechts am Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung (DISS) [Siehe auch dort: Wissenschaftl. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des DISS ]; Arbeitsgebiete: Antisemitismus und Antizionismus; Rechtsextremismus und Konservatismus (insbesondere Geschichtspolitik und rechtsextreme Musik-Subkulturen); neuere französische Philosophie; zahlreiche Artikel zu diesen Themen in Allgemeine Jüdische Wochenzeitung, Freitag, Jungle World, Konkret und Spex.

Alfred Schobert ist am 18. November 2006 im Alter von 43 Jahren gestorben.

Alfred Schobert: Luzider Intellektueller, avancierter Publizist, politischer Wissenschaftler, Streiter für Frieden und Gerechtigkeit. Ein Nachruf von Siegfried Jäger

ABSCHIED. Ein Nachruf von DJ Kersten


Heinz Brüggemann

Prof. Dr. Heinz Brüggemann, Professor für Neuere deutsche Literatur und Theorie der Literatur an der Universität Hannover. Arbeitsschwerpunkte: Literatur-und Kulturgeschichte der Wahrnehmung (Raum/Bild/Medien), Intermedialität, Literatur der deutschen Romantik, Ästhetische Moderne des 19. und 20. Jahrhunderts


Jobst Paul

Jobst Paul ist promovierter Sprach- und Literaturwissenschaftler und wissenschaftlicher Mitarbeiter des Duisburger Instituts für Sprach- und Sozialforschung (DISS). Seine Arbeitsschwerpunkte sind die ideologischen Grundlagen westlicher Ausgrenzungskonstrukte. Er veröffentlichte Bücher und zahlreiche Aufsätze zur Ethik, u.a. zum Menschenbild in den Biowissenschaften. 2005/06 leitete er das Forschungsprojekt ›Staat, Nation, Gesellschaft‹, das sich mit den gesellschaftspolitischen Interventionen der deutsch-jüdischen Publizistik im 19. Jahrhundert beschäftigte. Derzeit koordiniert er das Editionsprojekt ›Deutsch-jüdische Autoren des 19. Jahrhunderts. Schriften zu Staat, Nation, Gesellschaft‹.


Moshe Zuckermann

Moshe Zuckermann, 1949 in Tel-Aviv geboren, lebte zwischen 1960 und 1970 in Deutschland (Frankfurt am Main). Nach seiner Rückkehr nach Israel Studium der Soziologie, Politologie und Geschichte an der Universität Tel-Aviv. Lehrt seit 1990 am Cohn Institute for the History and Philosophy of Science and Ideas (TAU). 2000–2005 Direktor des Instituts für Deutsche Geschichte (TAU). 2009–2013 akademischer Leiter der Sigmund-Freud-Privatstiftung in Wien. Forschungsschwerpunkte: Geschichte und Philosophie der Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften; Frankfurter Schule; Ästhetische Theorie und Kunstsoziologie; der Einfluss der Shoah auf die politischen Kulturen Israels und Deutschlands.


Claudia Dantschke

Journalistin beim deutsch-türkischen Fernsehsender AYPA-TV und wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Zentrum Demokratische Kultur (ZDK)in Berlin. Veröffentlichungen u.a.:Politik im Namen Allahs. Der Islamismus, eine Herausforderung für Europa,Brüssel 2000 (gemeinsam mit Eberhard Seidel und Ali Yildirim).


Richard Faber

PD Dr. Richard Faber, Privatdozent für Soziologie an der FU Berlin.


Daniela Marx

Daniela Marx, Sozialwissenschaftlerin und Ethnologin, Promotions-Stipendiatin der Heinrich Böll Stiftung.


Frank Unger

Prof. Dr. Frank Unger, Freie Universität Berlin.


Ineke van der Valk

Dr. Ineke van der Valk, Ethnologin in Amsterdam.


Manfred Uesseler

Prof. Dr. Manfred Uesseler, Anglist und Sprachwissenschaftler, Berlin


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