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Von deutschen Einzeltätern und ausländischen Banden

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Beschreibung

Mit Vorschlägen zur Vermeidung diskriminierender Berichterstattung

DISS - Backlist
lieferbar ab 1.1.2004
Unterscheiden sich Berichte und Reportagen über Straftaten deutscher und ausländischer Täter? Die Studie zeigt, daß dies der Fall ist. Die häufig drastischeren und oft diskriminierenden Berichte, Kommentare und Meldungen über Straftaten von Ausländern sind geeignet, in der Bevölkerung den Eindruck zu verfestigen, daß von Ausländern eine besondere Gefährdung ausgehe. In ihrer Zerstörungswut gingen sie - anders als 'normale' Straftäter - organisiert vor. Auf diese Weise würde das gut bestellte 'deutsche Haus' einer Bedrohung von 'außen' ausgesetzt, da sich die 'Feinde' offenbar bereits auf deutschem Boden aufhalten, bereits in 'unser Inneres' eingedrungen sind und dort ihr Unwesen treiben. In der durchgeführten Analyse von Printmedien werden Vorschläge entwickelt, die solche Ausländer diskriminierenden Darstellungen vermeiden helfen sollen.



Einleitung
Das Dilemma der Medienberichterstattung über Straftaten von Einwanderern
Hinführung zum Thema
In der Diskussion um die Ursachen von Rassismus in der Bundesrepublik Deutschland ist bislang eine Vielzahl sich teilweise widersprechender, aber auch sich ergänzender Faktoren genannt worden. Auch die Medien sind in diesem Zusammenhang ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Viele Politikerinnen und Wissenschaftlerinnen haben z.B. die Berichterstattung über die Debatte um den Artikel 16 Grundgesetz in den Medien vehement kritisiert und ihnen eine erhebliche Mit-Verantwortung für die Eskalation von Gewalttaten gegenüber Flüchtlingen und Einwanderern attestiert.[1]
Und diese Kritik ist auch nicht gänzlich folgenlos geblieben. Nach unseren Beobachtungen gibt es in den Print-Medien durchaus Versuche, rassistische Effekte zu vermeiden[2]. Davon zeugt z.B. der Pressekodex des Deutschen Presserats in seiner neuesten Fassung vom 14. Februar 1996. Trotzdem bleibt hier noch eine Menge zu tun, um zu einer ausgewogenen Berichterstattung über Migration und das Leben von EinwanderInnen als selbstverständlichem Teil des Alltagslebens vorzudringen.
Mit der hier vorgelegten Analyse der Medienberichterstattung über Straftäter ausländischer und deutscher Herkunft haben wir einen Teilbereich dieser Berichterstattung mit dem Ziel analysiert, Anregungen für eine nicht-diskriminierende mediale Behandlung dieses diffizilen Teilbereichs des Einwanderungsdiskurses zu erarbeiten. Dabei ergibt sich das Dilemma, daß die Medien, sofern sie über Kriminalität und kriminelle Vorkommnisse zu berichten haben, von vornherein in einem Feld agieren, das die Gefahr von ausgrenzenden Effekten in sich birgt.
Kriminalität ist immer verbunden mit Abweichungen von herrschenden Normen: Wer sich kriminell verhält, verstößt gegen geltende Rechtsnormen. Diese Normen finden sich nun nicht einfach vor, sondern werden durch soziale Prozesse hergestellt, in denen mittels Bewertungen das produziert wird, was von den Normen abweicht. (Vgl. Althoff/Leppelt 1990.) Das bedeutet, daß Kriminalität keine feste und unabänderliche Größe ist; das, was in einer Gesellschaft als kriminell gilt, wird von dieser festgelegt und kann im Verlauf der Entwicklung einer Gesellschaft und insbesondere unter veränderten (Macht-)Verhältnissen auch modifiziert werden. Trotzdem bedeuten kriminelle Delikte immer einen Verstoß gegen die jeweils gültigen Normen. Diejenigen, die sich - nach den jeweils gültigen Kriterien - kriminell verhalten, riskieren ihren Ausschluß aus der Normen-Gemeinschaft.
Inwieweit dieser Ausschluß endgültig ist oder nur zeitweilig geschieht, hängt auch von der Art und Weise ab, wie über solche Abweichungen von geltenden Normen bzw. über die Personen, die solche Abweichungen zeigen, gesprochen und geschrieben wird. Sie entscheidet mit darüber, ob diese Personen langfristig aus dem gesellschaftlichen Zusammenhang ausgeschlossen werden oder ob ein Weg zurück offengehalten wird. Die Medien als zentrale Vermittlungsinstanz diskursiver Prozesse in unserer Gesellschaft tragen hier erhebliche (Mit)-Verantwortung.
Hinzu kommt, daß in Deutschland ein Auseinanderklaffen von tatsächlicher Kriminalitätsentwicklung und Kriminalitätsfurcht zu verzeichnen ist. Es ist zwar richtig, daß die Kriminalität in Deutschland im Verlauf der letzten Jahrzehnte insgesamt zugenommen hat. Doch diese Tendenz ist zur Zeit keineswegs steigend. Im Gegenteil: Nach der jüngsten Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) wurden 1996 insgesamt sogar 0,3% weniger kriminelle Vorfälle erfaßt als im Jahr davor.[3] 1997 betrug die Abnahme im Vergleich zum Vorjahr sogar 0, 9 %. Dem gegenüber ist aber die Befürchtung, die Kriminalität in Deutschland könne ansteigen bzw. sei bereits erheblich angestiegen, bei der Bevölkerung stark gewachsen. Nahmen 1986 26% (der Westdeutschen) an, die Kriminalität in Deutschland nähme immer mehr zu, so sind es 1993 48% (Reuband 1996, S. 14). Die Frage danach, wie es zu solchen Wahrnehmungen kommt, erklärt sich Karl-Heinz Reuband folgendermaßen:
"Fragen zu gesellschaftlichen Gefährdungen - welcher Art auch immer - werden sich immer primär auf Informationen stützen, die aus den Medien als Experten- und Politikermeinung vermittelt werden. Der einzelne Bürger kann keinen Überblick über die Entwicklungen jenseits des eigenen Erfahrungsbereiches haben, er muß sich auf eine medial vermittelte Wirklichkeit stützen. Im vorliegenden Fall dürfte der Grund für die gestiegene Wahrnehmung der gesellschaftlichen Bedrohung wohl in erster Linie bei den Politikern und in den Medien zu suchen sein, die Anfang der neunziger Jahre das Thema der Inneren Sicherheit zum Thema erhoben und Bedrohungsszenarien entwarfen." (Reuband 1996, S. 15)
Diese Einschätzung, die durch eine Reihe von Untersuchungen und auch durch eigene Untersuchungen bestätigt werden kann, verweist ebenfalls auf die wichtige Funktion, die Medien bei der Herstellung (diskursiver) Wirklichkeiten zukommt.[4]
Doch nicht allein dies erklärt die besondere Verantwortung der Medien. Sie agieren in einer besonderen Situation: Deutschland ist Einwanderungsland. Diese Einschätzung wird zwar nicht von der gesamten Bevölkerung (deutscher Herkunft) geteilt, doch die realen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte lassen keinen anderen Schluß zu. Zugleich werden Einwanderer in Deutschland heftig diskriminiert: Rassismus macht sich breit, Einwanderer werden verfolgt, geschlagen und verbrannt. Vorbehalte gegenüber Einwanderern hat es zwar bereits in den 60er Jahren gegeben, doch haben sich diese nicht in gleich heftiger Weise artikuliert, wie dies seit Anfang der 80er Jahre der Fall ist. Seitdem hat sich der Einwanderungsdiskurs auch öffentlich als ein Problem-Diskurs konstituiert.
Dies bedeutet für die Medien zweierlei: Sie sind erstens gehalten, Einwanderung und die nachfolgenden Einbürgerungsprozesse kontinuierlich in ihrer Berichterstattung zu berücksichtigen. Zum zweiten fließt in diese Berichterstattung aber auch ein, daß ein Teil der (deutschen Bevölkerung) diese Einwanderung nicht befürwortet. Letzteres wirft gleichzeitig die Frage danach auf, ob und in welcher Weise die Medien rassistische Einstellungen in der Bevölkerung produzieren bzw. stabilisieren. Doch gerade die zurückliegende Asyldebatte, die ihren vorläufigen Abschluß in einer weitgehenden Einschränkung des Artikels 16 GG gefunden hat, hat deutlich gemacht, daß den Medien bei der Herstellung von rassistischen Einstellungen ein hohes Maß an Verantwortung zuzurechnen ist.
Mit der von uns durchgeführten Studie zur sogenannten Ausländerkriminalität haben wir eine Verschränkung des Einwanderungsdiskurses mit dem Kriminalitätsdiskurs in den Mittelpunkt gestellt. Wir wollen damit auch einer in jüngerer Zeit häufig geäußerten These genauer nachgehen[5], daß die rassistische Aufladung des Einwandererdiskurses durch die Medien nach dem Asylkomprom

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