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Michael Vollmer, Rezension zu: Augustin Souchy: Anarchistischer Sozialismus. Hrsg. von Hans Jürgen Degen und Jochen Knoblauch, Münster 2010, in: Portal für Politikwissenschaft
"Als politische Strömung, die die staatliche Gewalt und die Herrschaft des Menschen über Menschen konsequent ablehnt, sollte der Anarchismus seine größte Wirkung im 19. und frühen 20. Jahrhundert im Denken und Handeln der russischen Sozialrevolutionäre entfalten. In Deutschland verband dieser sich mit Namen wie Gustav Landauer oder Johann Most, die es jedoch zu keiner Zeit schafften, mit ihren Ideen aus dem Schatten der Überväter Michail Bakunin oder Peter Kropotkin zu treten. Ähnlich verhielt es sich für den deutschen Anarchisten Augustin Souchy, der als „Revolutionsreisender” 1920 am II. Kongress der Internationale in Russland und später am spanischen Bürgerkrieg teilnahm. Der 1984 verstorbene Souchy, der zu den vehementen Kritikern des Staatssozialismus gehörte und dafür von den Herausgebern gewürdigt wird, entwarf jedoch kein eigenes Theoriegebäude. Vielmehr äußerte er sich in zahlreichen Schriften, Aufsätzen und Zeitungsartikeln zum politischen Tagesgeschehen, wobei sein radikaler jugendlicher Idealismus im Laufe der Zeit durch einen Pragmatismus geerdet werden sollte, der ihn mit Blick auf die Verwirklichung der anarchistischen Idee nicht mehr in Jahrzehnten, sondern in Jahrhunderten denken ließ. Seiner Überzeugung, dass die Geschichte der Vorstellung von der herrschaftslosen Gesellschaft recht geben würde, blieb er indes treu, und dieses Grundmotiv zieht sich, getragen von einer kindlich-naiven Begeisterung, durch all die in diesem Band versammelten Schriften, die die Herausgeber in sieben thematischen Blöcken in Selbstzeugnissen, in Texten zur Theorie, zu Russland, zu Spanien, zum Sozialismus in der Praxis, zu Antimilitarismus, Gewaltlosigkeit und der Zukunft des Friedens sowie zur Zukunft des Anarchismus zusammengetragen haben. Dabei bleibt es nicht aus, dass sich einzelne Gedanken, Positionen und Schilderungen in der Zusammenstellung (mitunter mehrfach) wiederholen und so den Eindruck hinterlassen, dass Souchys Ideenmeer ein sehr überschaubares Gewässer gewesen sein muss. Lesbar sind die Schriften dennoch allemal.

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