Was ist Identitätspolitik? Wieso wird sie von links zu Recht kritisiert? Und warum ist sie trotzdem so wichtig?
Jens Kastner, Lea Susemichel

Identitätspolitiken

Konzepte und Kritiken in Geschichte und Gegenwart der Linken

ISBN 978-3-89771-320-8
Erscheinungsdatum: September 2018
Seiten: 152
Ausstattung: softcover
12,80 €

Beschreibung

Identitätspolitik bedeutet, sich über die eigene Identität als beispielsweise Afroamerikanerin, Jude, Frau, Lesbe oder Arbeiter zu definieren – und bestenfalls auch zu organisieren und für die eigenen Rechte einzutreten. Doch obwohl diese Form der Identitätspolitik die Basis zahlloser sozialer Bewegungen bildete, wurde sie spätestens durch die Queer und Postcolonial Theory radikal infrage gestellt und als vereinheitlichend und ausschließend abgelehnt. Doch die Bezugnahme auf identitäre Kategorien wird nicht nur theoretisch heftig herausgefordert, sondern inzwischen auch innerhalb der Linken als geradezu konterrevolutionär scharf kritisiert: Identitätspolitik schade dem Klassenkampf, so die Argumentation. Denn die Kämpfe um Anerkennung kultureller Differenzen würden vom zentralen und universell zu führenden Kampf gegen soziale Ungleichheit nur ablenken.

Doch bereits in der frühen Arbeiter*innenbewegung wurde um die Identifizierung der Arbeiter*innen gerungen. Und im Feminismus und in den Black-Liberation-Bewegungen seit den 1960er Jahren spielt die Kategorie sogar eine noch größere Rolle. Dabei wurden auch die vielen Fallstricke einer positiven Bezugnahme auf kollektive Identität – die Ausschlüsse und Vereinheitlichungen – bewegungsintern kritisiert und diskutiert.

Von den theoriegeschichtlichen Wurzeln des Begriffs ›Identität‹ bis zu den identitätspolitischen Debatten in der Linken nach der Wahl Trumps zum US-Präsidenten bietet das Buch einen undogmatischen Überblick über Diskurse und Geschichte linker Identitätspolitiken.

»… wohltuende Unaufgeregtheit, sachlich argumentierte Positioniertheit und einen routinierten Blick für Verkomplizierungen …« – Paula Pfoser, Augustin

Autor_innen

Jens Kastner

Jens Kastner (*1970), Dr. phil., ist Soziologe und Kunsthistoriker und lebt in Wien. Er ist Senior Lecturer am Institut für Kunst- und Kulturwissenschaften der Akademie der bildenden Künste Wien und schreibt für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften über zeitgenössische Kunst, soziale Bewegungen und Kulturtheorien. Er hat zwei Kinder.

jenskastner.de


Lea Susemichel

Lea Susemichel (*1976) studierte Philosophie und Gender Studies in Wien. Als Journalistin, Lehrbeauftragte und Vortragende arbeitet sie zu den Themen feministische Theorie & Bewegung und feministische Medienarbeit. Seit 2006 ist sie leitende Redakteurin der an.schläge. Sie hat zwei Kinder. 

 


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Hintergrundinfos

»Ein gutes Leben für alle« – Kommentar von Jens Kastner und Lea Susemichel, DerStandard, 26. Oktober 2018


»Was wir in unserem Buch zu zeigen versuchen ist, dass letztlich die Kritik an Identitätspolitik so alt ist wie die linke Identitätspolitik selbst.« – Gespräch mit Lea Susemichel, Radio Corax, 31. Oktober 2018