Neuerscheinungen ( Aus der Rubrik: Antirassismus )
Die Erfindung des muslimischen Anderen sichert Privilegien. Dieses Buch lädt dazu ein, nach gerechteren Verhältnissen zu fragen.
Özcan Karadeniz, Anna Sabel

Die Erfindung des muslimischen Anderen

20 Fragen und Antworten, die nichts über Muslimischsein verraten

herausgegeben vom Verband binationaler Familien und Partnerschaften | mit Illustrationen von Morteza Rakhtala
ISBN 978-3-89771-336-9
Erscheinungsdatum: April 2021
Seiten: 136
Ausstattung: softcover | mit zahlreichen Abbildungen
12,80 €

Beschreibung

Nicht wenige, die an ›muslimische‹ Menschen und ›deren‹ Lebenswelten denken, sehen diese Bilder vor ihrem inneren Auge: Köftespieße, Gebetsteppiche, Baklava und Schwarztee, Gemüsehandel und Barbiershops mit arabischen Schriftzeichen, kopftuchtragende, auf dem Boden speisende Frauen in Hinterzimmern, verrauchte Cafés voller Männergruppen mit schwarzen Bärten und lauten Stimmen, die sich lediglich mit den Worten wallah, inşallah und yani zu unterhalten scheinen …

In unserer Gesellschaft herrscht offensichtlich der Drang, über den ›Islam‹ und die ›Muslim*innen‹ zu sprechen. Es sind in erster Linie rassistische (Islam-)Bilder, Vorstellungen und Denkweisen, die sich fest in das kulturelle Gedächtnis der Dominanzgesellschaft eingebrannt haben: archaische Kultur, rückständige Religion, übergriffige, gewaltaffine Männer und unterworfene Frauen.

Der vorliegende Essayband erklärt nicht, wie ›Muslim*innen wirklich sind‹, sondern wirft den Blick zurück auf jene, die diese Bilder produzieren und weitertragen. Mal ernst, mal augenzwinkernd, mal (selbst)ironisch demaskieren die Beiträge den antimuslimischen Rassismus und entlarven die Konstruktion des bedrohlichen Anderen als identitätsstiftend und herrschaftsstabilisierend.

»Wissenschaftlich fundiert, unterhaltsam erzählt.« – dis:orient, 11. Juli 2021

Autor*innen

Özcan Karadeniz

Özcan Karadeniz ist Geschäftsführer des »Verband binationaler Familien und Partnerschaften Leipzig«. Er ist Politikwissenschaftler und langjähriger Trainer und Referent im Bereich rassismuskritischer und politischer Bildungsarbeit im Kontext von Migration, Diversity und Empowerment. Zudem ist er Mitglied im Unabhängigen Expertenkreis Muslimfeindlichkeit des Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat, Produzent und Redakteur von Spendier mir einen Çay und ich erzähl dir alles (www.spendier-mir-einen-cay.de) und Kurator der Sonderausstellung Re:Orient. Die Erfindung des muslimischen Anderen.


Anna Sabel

Anna Sabel ist Medienwissenschaftlerin und politische Bildungsarbeiterin. Sie ist Regisseurin von Spendier mir einen Çay und ich erzähl dir alles (www.spendier-mir-einen-cay.de), Kuratorin von Re:Orient. Die Erfindung des muslimischen Anderen und Leiterin des Projekts »(Un)Sichtbarkeiten in der Migrationsgesellschaft« (Verband binationaler Familien und Partnerschaften Leipzig).


Schirin Amir-Moazami

Schirin Amir-Moazami hat am Europäischen Hochschulinstitut Florenz im Department Social and Political Sciences promoviert und arbeitet als Professorin für Islam in Europa am Institut für Islamwissenschaft der Freien Universität Berlin. Sie forscht und lehrt zu Religionspolitiken, Säkularismus, islamischen Bewegungen und Politiken der Wissensproduktion in Europa.


Mehmet Arbag

Mehmet Arbag ist Politikwissenschaftler und politischer Bildungsarbeiter zu den Themen Rechtsextremismus und Rassismus. Er ist Mitarbeiter im Projekt »(Un)Sichtbarkeiten in der Migrationsgesellschaft« (Verband binationaler Familien und Partnerschaften Leipzig).


Iman Attia

Iman Attia ist Professorin für Critical Diversity Studies mit den Schwerpunkten Rassismus und Migration an der Alice Salomon Hochschule Berlin und arbeitet seit Anfang der 1990er Jahre zu (antimuslimischem) Rassismus aus globalhistorischer, post- und dekolonialer, post-/nazistischer sowie relationaler und intersektionaler Perspektive. Sie lehrt und forscht zur Relationalität von Rassismen und ihren Intersektionen mit anderen gesellschaftlichen Machtverhältnissen mit einem Schwerpunkt auf antimuslimischem Rassismus sowie Erinnerungskultur und -politik.

Veröffentlichungen (Auswahl): Orient- und IslamBilder (2007, Hg.); Die ›westliche Kultur‹ und ihr Anderes (2009); Antimuslimischer Rassismus am rechten Rand (2014, zs. mit Alexander Häusler und Yasemin Shooman); Dominanzkultur reloaded (2015, Hg. zs. mit Swantje Köbsell und Nivedita Prasad); Zur Kritik westlicher Islamdiskurse. Das Argument 319 (2016, Hg. zs. mit Mariam Popal); Den Rassismus gibt es nicht. Zum Verhältnis von Antisemitismus und antimuslimischem Rassismus, in: O. Z. Keskinkılıç / Á. Langer (Hg.) (2018), Fremdgemacht & Reorientiert, S. 21–44; Diskursive Interventionen in westliche Kopftuchmonologe, in: R. Ceylan / H.-H. Uslucan (Hg.) (2018), Transformation religiöser Symbole und religiöser Kommunikation in der Diaspora, S. 145–159; verwobenegeschichten.de. Aktuelle Drittmittel-Forschungsprojekte zum »Leben ohne Papiere in Geschichte und Gegenwart« (IFAF) sowie zum »Bedrohungsszenario des ›islamistischen Terrorismus‹ aus der Perspektive muslimischer Communities« (BMBF).


Claudia Brunner

Claudia Brunner ist assoziierte Professorin am Zentrum für Friedensforschung und Friedensbildung am Institut für Erziehungswissenschaften und Bildungsforschung, Universität Klagenfurt. Sie ist feministische Politikwissenschaftlerin und Friedensforscherin, Autorin der Bücher Epistemische Gewalt und Wissensobjekt Selbstmordattentat sowie zahlreicher weiterer Texte zu Verflechtungen von Wissen(schaft) und Gewalt(freiheit), siehe auch www.epistemicviolence.info


María do Mar Castro Varela

María do Mar Castro Varela ist Diplom-Psychologin, Diplom-Pädagogin und promovierte Politikwissenschaftlerin. Sie ist Professorin für Allgemeine Pädagogik und Soziale Arbeit an der Alice Salomon Hochschule, Berlin. In 2015/16 war sie Senior Fellow am Institut für die Wissenschaft des Menschen (IWM) in Wien. Sie ist u.a. Gründerin des bildungsLab* (bildungslab.net), Mitglied der Forschungsgruppe »Radiating Globality« (unter Leitung von Gayatri Chakravorty Spivak) und Vorsitzende des Berliner Instituts für kontrapunktische Gesellschaftsanalysen.


Fatima El-Tayeb

Fatima El-Tayeb ist Schwarze deutsche Historikerin und Professorin für Literatur und Ethnic Studies an der University of California, San Diego. Sie arbeitet zu Rassismus in Europa, mit Fokus auf Widerstandstrategien rassifizierter Communitys, insbesondere solche, die eine intersektionale, queere Kunstpraxis mobilisieren. Sie hat mehrere Bücher und zahlreiche Essays zur Interaktion von »Rasse«, Geschlecht, Sexualität und Nation veröffentlicht. Neben ihrer akademischen Arbeit ist sie in antirassistischen, migrantischen und queer of color Zusammenhängen aktiv. Sie ist Mitbegründerin des Black European Studies Projekts (BEST) und Co-Autorin des Films Alles wird gut (1997).

Veröffentlichungen: Schwarze Deutsche. Der Diskurs um ›Rasse‹ und nationale Identität 1890–1933 (Campus, 2001); European Others. Queering Ethnicity in Postnational Europe, University of Minnesota Press 2011 (deutsch als Anders Europäisch. Rassismus, Identität und Widerstand im vereinten Europa, Unrast 2015) und Undeutsch. die Konstruktion des Anderen in der postmigrantischen Gesellschaft (Transcript, 2016).


Naika Foroutan

Naika Foroutan ist Professorin für Integrationsforschung und Gesellschaftspolitik an der Humboldt-Universität zu Berlin und dort Direktorin des Berliner Instituts für Integrations-und Migrationsforschung (BIM). Außerdem ist sie Leiterin des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM), einem bundesgeförderten Zentrum zur Vernetzung der Migrationsforschung in Deutschland. Zu den Schwerpunkten ihrer Forschungs-und Lehrtätigkeit gehören u.a. die Themen Migration, Integration und postmigrantische Gesellschaften, Transformation von Einwanderungsländern, Islam- und Muslimbilder in Deutschland sowie Identität und Hybridität.


Sabine Hark

Sabine Hark hat eine Professur für Gender Studies an der TU Berlin. Mitherausgeberin der Zeitschrift Feministische Studien, Mitgründerin der deutschen Fachgesellschaft für Geschlechterstudien, Gender e.V. Zahlreiche Veröffentlichungen, zuletzt u.a. (mit Paula-Irene Villa) Unterscheiden und herrschen. Ein Essay zu den ambivalenten Verflechtungen von Rassismus, Sexismus und Feminismus in der Gegenwart. Bielefeld: transcript 2017. Hark arbeitet derzeit an einem Projekt zu »Die Gemeinschaft der Ungewählten. Umrisse eines politischen Ethos der Kohabitation«.

 


Morteza Rakhtala

Morteza Rakhtala ist (digitaler) Künstler, Illustrator, Art-Director und Grafiker. Er ist Mitarbeiter des Projekts »(Un)Sichtbarkeiten in der Migrationsgesellschaft« (Verband binationaler Familien und Partnerschaften Leipzig).


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