Katja Limbächer, Maike Merten, Bettina Pfefferle (Hg.)

Das Mädchenkonzentrationslager Uckermark

Beiträge zur Geschichte und Gegenwart

ISBN 978-3-89771-204-1
Erscheinungsdatum: Juni 2005
Seiten: 328
Ausstattung: softcover
18,00 €

Beschreibung

2. überarb., erw. und akt. Auflage
„Ein informatives und lesbares Buch und ein lebendiges, in dem nicht einfach Aufsätze nebeneinander stehen, sondern spürbar ist: hier wird geforscht, erzählt, diskutiert und einander zugehört.“
Katja Neppert, frauennews.de

Nur zwei Gedenktafeln auf dem Uckermark-Gelände erinnern heute an das “Jugendschutzlager Uckermark”, in dem von 1942-1945 ca. 1200 Mädchen und junge Frauen inhaftiert waren. Das Lager in unmittelbarer Nähe des Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück gehört zu den vergessenen Konzentrationslagern Deutschlands. Es galt lange Zeit als Teil des Fürsorgesystems, in dem als “asozial” eingestufte junge Frauen “erzogen” werden sollten. Daß es sich bei der Jugendfürsorge nie um ein unpolitisches Helfen handelte, belegen die Beiträge über das nationalsozialistische Fürsorgesystem, das keinen Raum für ein von der gesellschaftlichen Norm abweichendes Verhalten ließ. Anhand von Akten rekonstruieren die AutorInnen die Einweisungspraxis in das Lager und zeigen die enge Verzahnung zwischen Fürsorgeeinrichtungen, Polizei und dem “Kriminalbiologischen Institut” auf.
Die unmenschlichen Bedingungen in dem “Jugendschutzlager”, zu denen Zwangsarbeit u.a. für Siemens, ein absolutes Redeverbot, Schikanen und Strafen sowie eine katastrophale Unterversorgung gehörten, schildern mehrere Zeitzeuginnen in eindringlichen Berichten. “Wir Jungen haben ja noch nicht gelebt. Wir haben vorher nicht gelebt und nachher nicht,” beschreibt Käthe Anders die Auswirkungen der Uckermark-Zeit auf ihr Leben.
Die Überlebenden des Lagers, das in den letzten Kriegsmonaten auch als Vernichtungslager v.a. für Frauen aus dem KZ Ravensbrück benutzt worden war, kämpfen bis heute um ihre Anerkennung als Verfolgte und um eine Entschädigung, von der sie - in Fortsetzung der Diskriminierung durch die Nazis - als “Asoziale” ausgeschlossen werden. Ausgrenzung und Verdrängung spiegeln sich auch im heutigen Umgang mit dem Gelände des Mädchen-KZ und Vernichtungslagers wider. Nachdem das Gelände jahrzentelang militärisch genutzt worden war, sind kaum noch Spuren des Lagers vorhanden. Die Erforschung des Geländes steht bis heute aus, nur auf einem Teilstück konnten im Rahmen internationaler workcamps Ausgrabungen durchgeführt werden und damit das ehemalige Lager sichtbar machen.

Zur 2. Auflage

Der Sammelband wurde überarbeitet, aktualisiert und um vier Beiträge erweitert. Die inhaltliche Anordnung der Artikel, erstens historische Forschung zur Entstehung des Jugendschutzlagers Uckermark, zweitens Zeugnisse von Überlebenden und drittens aktuelle politische Diskussionen wie Entschädigung der Überlebenden sowie die Diskussion um die Gestaltung des Geländes des Lagers Uckermark, wurde beibehalten.

Zu den neuen Beiträgen:
Christa Schikorra beschreibt die Zusammenarbeit zwischen Fürsorge, Psychatrie und Polizei bei der Disziplinierung von weiblichen Jugendlichen, die in das Mädchen-KZ Uckermark eingewiesen wurden. Es wird deutlich, dass den PraktikerInnen der Fürsorge sowie den Ärzten ein abgestuftes Handlungsinstrumentarium von Anstaltseinweisungen, Arbeitshaus und Jugendschutzlager zur Verfügung stand und auch genutzt wurde.

Katja Limbächer beschreibt die Nachkriegskarriere einer Kriminalbeamtin, die von 1942 bis 1945 Jugendschutzlager Uckermark als Aufseherin tätig war. Unmittelbar nach Kriegsende als Fürsorgerin im Gesundheitsamt angestellt, wurde ihre Tätigkeit als Aufseherin im Jugendschutzlager als berufliche Qualifikation gewertet. Die personellen wie auch ideologischen Kontinuitäten in der bundesdeutschen Fürsorge der Nachkriegszeit spiegeln sich hier wieder.

Der zweite Teil des Buches wird um zwei Zeitzeuginnenberichte ergänzt. Ursula H. war von 1944 bis zur Auflösung des Lagers 1945 in dem Jugendschutzlager Uckermark als „Asoziale“ inhaftiert. Bis an ihr Lebensende im August 2002, nur zwei Monate nach ihrer Anerkennung als Verfolgte des NS-Regimes, hatte sie mit den gesundheitlichen und psychischen Folgen der Haft kämpfen. Anita K. kam nach Aufenthalten in verschiedenen Erziehungseinrichtungen in das Jugendschutzlager Uckermark. Als das Lager im Januar 1945 teilweise aufgelöst wurde, kam sie nach Ravensbrück und von dort aus auf den Todesmarsch Richtung Norden. Ende April 1945 wurde sie von den Engländern befreit.

Weitere Informationen
Friedhelm Vahsen. Rezension vom 20.01.2008. In: socialnet Rezensionen unter http://www.socialnet.de/rezensionen/5191.php

Autor*innen

Katja Limbächer

Jahrgang 1971, Dipl. Politologin, schrieb ihre Diplomarbeit zum Thema »Die geschlechtsspezifische Diskriminierung von weiblichen Fürsorgezöglingen in der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus«, promoviert z.Z. zum Thema »Die Verfolgung ›asozialer‹ Mädchen im Nationalsozialismus und in der Nachkriegszeit«, lebt in Berlin.


Maike Merten

Jahrgang 1970, Dipl. Pädagogin, schrieb ihre Diplomarbeit zum Thema: »Das Jugendschutzlager Uckermark im System nationalsozialistischer Fürsorge«, lebt in Hamburg.


Bettina Pfefferle

geb. 1963, seit mehreren Jahren aktiv in Arbeitsgruppen mit den Schwerpunkten Nationalsozialismus und Jugendschutzlager Uckermark. Als jüngere Frau Mitglied der Lagergemeinschaft Ravensbrück/ Freundeskreis e.V. Arbeitet z.Z. im Bereich Dokumentation/ Öffentlichkeitsarbeit für ein Berliner Frauenzentrum.


Matthias Antkowiak

Archäologe M.A., Freie Mitarbeit Brandenburgische Gedenkstätten. Seit Jahren tätig in der Begleitung und Durchführung der Ausgrabungen auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Uckermark.


Bixi Ehrhardt

Jahrgang 58, Buchhändlerin. Mitglied der »Lagergemeinschaft Ravensbrück/ Freundeskreis e.V.« Seit vielen Jahren politisch aktiv in den Bereichen Anti-Atom-Bewegung, Anti-Militarismus, autonome FrauenLesbenbewegung, u.v.m. In den letzten Jahren liegt ihr Schwerpunkt beim Thema Nationalsozialismus, was für sie auch antifaschistisches Handeln in der Gegenwart bedeutet.


Viola Klarenbach

Jahrgang 67, Taxifahrerin. Mitglied der »Lagergemeinschaft Ravensbrück/ Freundeskreis e.V.« Seit vielen Jahren politisch aktiv in den Bereichen Anti-Atom-Bewegung, Anti-Militarismus, autonome FrauenLesbenbewegung, u.v.m. In den letzten Jahren liegt ihr Schwerpunkt beim Thema Nationalsozialismus, was für sie auch antifaschistisches Handeln in der Gegenwart bedeutet.


Simone Erpel

geb. 1963, Studium der Geschichte und Soziologie in Bielefeld; 1994-96 wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück. Promoviert zur Zeit an der FU Berlin über Kriegsende und Befreiung des Frauen-konzentrationslagers Ravensbrück.
Veröffentlichungen u.a.: Kriegsende und Befreiung, in: Jacobeit/ Philipp (Hg.), Forschungsschwerpunkt Ravensbrück, Beiträge zur Geschichte des Frauenkonzentrationslagers, Berlin 1997.


Sigrid Jacobeit

Dr. Sigrid Jacobeit, Leiterin der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück. Privatdozentin am Institut für Geschichtswissenschaften und Gender Studies der Humboldt- Universität Berlin, Lehrtätigkeit »Erinnerungskultur und musealer Umgang« am Institut für Europäische Ethnologie. Publikationen zur Geschichte des Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück, u.a.: Kreuzweg Ravensbrück


Silvija Kavcic

geb. 1966 in Gelsenkirchen, slowenische Staatsbürgerin.In Essen und Berlin Geschichte studiert, mit dem Schwerpunkt Ost- und Südosteuropa. Stipendiatin des Berliner Förderprogrammes Frauenforschung mit dem Thema: »Lebensgeschichtliche Interviews mit slowenischen Überlebenden des Frauenkonzentrations-lagers Ravensbrück.«


Esther Lehnert

Dipl.-Päd., Promotionsstipendiatin der Hans-Böckler Stiftung. Schreibt an einer Dissertation über Fürsorgerinnen im Nationalsozialismus. Sie ist für den Verein »Bildungsteam-Berlin-Brandenburg« in der antirassistischen Jugendbildungsarbeit tätig.


Angelika Meyer

Dipl. Politologin, freie Mitarbeit für die Mahn-und Gedenkstätte Ravensbrück und die Stiftung Topographie des Terrors. Seit 3 Jahren politische Bildungsarbeit zur Geschichte des Konzentrationslagers Uckermark.


Ursula Nienhaus

Dr. Ursula Nienhaus, geb. 1946, Historikerin, Dr. phil., Privatdozentin an der Universität Hannover, Mitarbeiterin des Frauenforschungs-, -bildungs und -informationszentrums (FFBIZ) in Berlin, Dozentin für Frauen-/Geschlechterforschung und Gender Studies an der Humboldt-Universität zu Berlin, Veröffentlichungen u.a. zur Geschichte der Sowjetunion, zur Politik der deutschen Post, zu Frauenarbeit, zur weiblichen Polizei.


Philipp Oswalt

Architekt. Studium in Freiburg und Berlin. 1988-1994 Redakteur einer Architekturzeitschrift. 1996/97 Mitarbeiter bei O.M.A. Rotterdam. Seit 1998 Assistent an der TU Berlin. Veröffentlichungen über zeitgenössische Architektur.


Stefanie Oswalt

Freie Publizistin und Historikerin. Studium in Köln, London, München. Promotion in »Jüdische Studien« an der Uni Potsdam. 1993-96 Mitarbeiterin am Moses-Mendelssohn Zentrum. Veröffentlichungen und Ausstellungen zu zeitgeschichtlichen Themen.


Christa Schikorra

Jahrgang 1959, Pädagogin und Historikerin. Promovierte mit dem Thema: »Kontinuitäten der Ausgrenzung – ›asoziale‹ Häftlinge im Frauen-KZ Ravensbrück«. Tätig als Wissenschaftlerin und als Referentin in der Erwachsenenbildung. Veröffentlichung u.a.: »Asoziale« Frauen. Ein anderer Blick auf die Häftlingsgesellschaft, in: Jacobeit/Philipp (Hg.), Forschungsschwerpunkte Ravensbrück, Berlin 1997.


Rosel Vadehra-Jonas

Rosel Vadehra-Jonas, geb. 1940 in Dörnigheim am Main; Diplom-Volkswirt; bis 1977 Dozentin in der Erwachsenenbildung des DGB; die Familie wurde aus politischen Gründen verfolgt; fünf nahe Angehörige waren inhaftiert, die Mutter u. a. im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück, ein Onkel im KZ Breitenau, später in Buchenwald und anschließend im »Bewährungsbataillon 999«; 1990 – 1994 Bundessprecherin der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten; 1997 – 2007 Vorsitzende der Lagergemeinschaft Ravensbrück / Freundeskreis; sie hat zwei Kinder und lebt in Essen. Seit 1990 ist die Gedenkstättenarbeit Schwerpunkt ihrer politischen Tätigkeit. Sie ist Vorsitzende der »Lagergemeinschaft Ravensbrück/ Freundeskreis e.V.«


Petra Vollmer

geb. 1957. Seit 1990 Mitarbeiterin der »Projektgruppe für die vergessenen Opfer des NS-Regimes in Hamburg e.V.« Sie bietet NS-Verfolgten und deren Angehörigen ehrenamtliche Beratung in Fragen der Entschädigung und bei Problemen finanzieller, sozialer und persönlicher Art. Sie ist Geschäftsführerin eines ambulanten Pflegedienstes mit Schwerpunkt Hilfen und Pflege für NS-Verfolgte.


Käthe Anders

geb. 1924, stammt aus einer Wiener Arbeiterfamilie, mit 14 Jahren Fabrikarbeiterin. Wegen unerlaubten Verlassens einer Dienststelle Einweisung ins Erziehungsheim, nach Protestaktionen im Gefängnis inhaftiert und anschließend erneut Einweisung in eine Erziehungsanstalt. Von 1942 bis 1944 Häftling im Jugendschutzlager Uckermark. Danach lebte sie wieder in Wien.


Stefanie Burger-Kelih

kommt aus Zell im Oberwinkwel/ Kärnten, sie ist Slowenin. Seit 1950 lebt sie in der Schweiz. Sie war Bäuerin, hat drei Söhne und ist verwitwet.


Ljubica Kuhta

Ljubica Kuhta, geb. Knupleþ. Sie lebt in Ruše, in der Nähe von Maribor. Früher arbeitete sie in Maribor. Heute ist sie Rentnerin. Sie ist verwitwet und Mutter eines Sohnes.


Anni Kupper

geb. Ogris. Angehörige der slowenischen Volksgruppe. Geboren und aufgewachsen auf dem Rabenberg in Kärnten. Sie lebt in Ferlach/ Österreich. Während des Nationalsozialismus unterstützte ihre Familie slowenische Partisanen. Verhaftung im November 1944, zuerst Gefängnis dann von Januar bis April 1945 Häftling im Jugendschutzlager Uckermark. Sie ist verheitatet und hat drei Töchter. Ihr Mann ist auch Kärtner-Slowene und von Beruf Ingenieur. Zwei ihrer Töchter sind Lehrerinnen. Eine ist am slowenischen Gymnasium in Klagenfurt, die andere an der Hauptschule in Ferlach tätig. Beide unterrichten auch Slowenisch. Ihre dritte Tochter ist Magistra der Wirtschaftswissenschaften und in der Unternehmensberatung tätig.


Otilija Repnik

geb. in Pragersko in der Nähe von Maribor. Sie lebt heute noch dort. Sie hat eine Tochter, ist geschieden und arbeitete in der Buchhaltung. Heute ist sie Rentnerin.


Stanka Krajnc Simoneti

kommt aus einem Dorf bei Maribor, ging in Radwanje zur Schule. Sie hat zwei Kinder, lebt ohne Mann und ist Rentnerin. Von Beruf war sie Ärztin.


Irma Trksak

1917 in Wien geboren, war Lehrerin. Aufgewachsen in einer slowakischen Arbeiterfamilie. Während des Nationalsozialismus im Widerstand der Wiener Tschechen aktiv. Verhaftung 1941, Gefängnis, dann Häftling im KZ Ravensbrück und Vernichtungslager Uckermark. Seit Gründung der »österreichischen Lagergemeinschaft Ravensbrück« Mitglied des Vorstandes und seit 1984 deren Sekretärin. Seit 1984 Mitarbeiterin im »Landesverband der österreichischen Widerstandskämpfer und Opfer des Faschismus« und Mitglied des Bundespräsidiums dieses Verbandes. Stellvertretende Sekretärin des »Internationalen Ravensbrückkommitees«.


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