Neuerscheinungen ( Aus der Rubrik: Internationalismus )
Ein neuer dekolonialer Blick auf lateinamerikanische Gesellschaften, Sprache, Bilder und Diskurse
Silvia Rivera Cusicanqui

Ch'ixinakax utxiwa

Eine Reflexion über Praktiken und Diskurse der Dekolonisierung

Aus dem Spanischen übersetzt von Silke Steiml und Emin Günaydin | hrsg. von Sebastian Garbe, María Cárdenas und Andrea Sempertegui
ISBN 978-3-89771-257-7
Erscheinungsdatum: Oktober 2018
Seiten: 147
Ausstattung: softcover
12,80 €

Beschreibung

Silvia Rivera Cusicanqui entwickelt in drei Essays eine neue, radikal dekoloniale Perspektive auf die bolivianische Gesellschaft.

Im ersten Essay schließt sie ausgehend von den Kämpfen 2000–2005 auf die indigenen Aufstände von 1781, die sie dem indigenen, spiralförmigen Zeitverständnis folgend verbindet.

Im zweiten Essay entwickelt sie anhand der Interpretation der Zeichnungen des Chronisten Wuman Puma de Ayala aus dem 17. Jahrhundert eine ›Sociología de la imagen‹, eine Bildsoziologie. Sie macht klar, wie die Kolonisierung und die Übernahme der Kolonialsprache die Interpretation der Welt und das eigene Denk- und Wertesystem verändert hat und soziale Missstände so nicht mehr denk- und ansprechbar sind. Bilder und deren Interpretation ermöglichen eine alternative Betrachtung der Verhältnisse und beinhalten dadurch enormes emanzipatives Potenzial.

Im dritten Teil setzt sich Cusicanqui mit der Geschichte der vermeintlichen ›Inklusion‹ indigener Menschen auseinander und übt Kritik an gängigen Theorien wie dem Multikulturalismus, aber auch der Dekolonisierungstheorie. Beide sind nicht nur durchzogen von elitären Strukturen und Teil eines internen Kolonialismus, sondern auch unfähig, von der Theorie in eine dekoloniale Praxis überzuleiten. Auf den letzten Seiten umreißt die Autorin das Konzept des Ch'ixi, vereinfacht gesprochen, die Anwesenheit zweier Komponenten, die sich vermischen, ohne sich dabei aufzulösen.

Ergänzt wird das Buch durch Cusicanquis umfangreichen und bislang ebenfalls unveröffentlichten Artikel »Der Rechtediskurs und die Paradoxe postkolonialer Moderne«.

Autor_innen

Silvia Rivera Cusicanqui

Silvia Rivera Cusicanqui lebt in La Paz (Bolivien) und arbeitet dort als Soziologin und Dozentin der Universidad Mayor de San Andrés. Sie hat zahlreiche Arbeiten im Bereich Politik und Soziologie veröffentlicht, die meisten von ihnen mit Fokus auf Bolivien. Sie gehört der ›Bevölkerungsgruppe‹ der sogenannten Mestiza (Menschen mit europäischen und indigenen Vorfahren) an, was sich eindeutig in ihren Texten widerspiegelt. Anfang der 1980er Jahre gründete sie die THOA. Diese Gruppe beschäftigt sich hauptsächlich mit der Geschichte und Kultur des andinen Raums und setzt sich dafür ein, dem gesprochenen Wort (der oralen Geschichte) eine größere Bedeutung zukommen zu lassen. Besonders im universitären Raum sehen die Mitglieder hier großen Nachholbedarf. Des Weiteren macht Cusicanqui darauf aufmerksam, dass auch (geschichtliche) Abbildungen nicht den Stellenwert eingeräumt bekommen, der ihnen zusteht. Zu diesem Thema veröffentlichte sie vor nicht allzu langer Zeit ihr Buch Sociología de la imagen. Als Aktivistin arbeitet Rivera Cuiscanqui mit indigenen Gruppen zusammen und orientiert sich unter anderem am Anarchismus und an dekolonialen Praktiken und Theorien.


María Cárdenas

María Cárdenas ist Promotionsstudentin und Lehrbeauftragte am Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften der Justus-Liebig-Universität Gießen. In ihrem Promotionsprojekt untersucht sie zusammen mit Aktivist*innen die Herausforderungen und Erfolge inter-ethnischer Kooperation im Kontext des kolumbianischen Friedensprozesses und posacuerdo. Sie ist seit 2012 Redakteurin der Zeitschrift Wissenschaft&Frieden und Mitglied vom International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) sowie des Forschungsnetzwerkes Queer Studies, Decolonial Feminisms and Cultural Transformations. Ihre Forschungsinteressen sind: Konflikte, soziale Identitätskonstruktionen und Kooperation zwischen und innerhalb ethnisch definierter Gruppen, sozialer Widerstand in von Gewalt geprägten Kontexten, Kolumbien und Lateinamerika.


Sebastian Garbe

Sebastian Garbe ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und Promotionsstudent am Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften der Justus-Liebig-Universität Gießen. Er war Stipendiat des International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) und ist Mitglied des Forschungsnetzwerkes Queer Studies, Decolonial Feminisms and Cultural Transformations. Seine Forschungsschwerpunkte sind das Wechselverhältnis von Lateinamerika und Karibik zu Europa, post- und dekoloniale Theorie, Globalgeschichte, Wissenschaftsgeschichte mit Fokus auf Soziologie und Anthropologie sowie Protest und soziale Bewegungen, speziell indigene Bewegungen, Internationalismus und globale Solidaritäten. Er ist aktiv in dem politisch-pädagogischen Projekt frankfurt postkolonial.


Andrea Sempertegui

Andrea Sempertegui ist Promotionsstudentin und Lehrbeauftragte am Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften der Justus-Liebig-Universität Gießen. Sie ist Mitglied vom International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) am Forschungsnetzwerk Queer Studies, Decolonial Feminisms and Cultural Transformations. Ihre Forschungsinteressen beziehen sich auf indigene Politik, territoriale Kämpfe, Extraktivismus, postkoloniales und dekoloniales Denken und populäre feministische Bewegungen in Lateinamerika.


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