Heute scheint es undenkbar, dass je wieder eine Revolution Geschichte machen könnte. Der Gedanke, dass es qualitative Umbrüche von Gesellschaftsordnungen geben könnte, die auf eine Befreiung des Menschen gerichtet wären, scheint obsolet zu sein. Es gibt nur noch Geschichte und einen Boom der Erinnerung an sie, und man hat nichts zu erwarten als die technizistische Vervollkommnung der Gegenwart, der sich allein hässliche Rückgriffe auf nationalpartikulare, ethnische oder religiöse, rigide und geschlossene Gemeinschaftsformen entgegenzustellen scheinen.
Was heißt das für eine Gesellschaftstheorie, die die Gesellschaft als Ganzes kritisiert und deren Hoffnung sich nach wie vor auf eine radikale Umwälzung richtet, die also hoffnungslos anachronistisch erscheinen muss? Kann kritische Gesellschaftstheorie noch etwas mit den Begriffen Revolution und Geschichte anfangen, nachdem die Alternative Sozialismus oder Barbarei im Nationalsozialismus entschieden worden ist? Wenn die Geschichte eine Abfolge von Katastrophen ist, die in Auschwitz ihren vorläufigen Kulminationspunkt erreicht hat, kann dann aus der Vergangenheit ein Maßstab gewonnen werden, der auf eine bessere Zukunft wiese?
Birgit Schmidt stellt Verbindungen her, die bisher unberücksichtigt blieben, nämlich die zwischen Volksfrontideologie, deutschem Nationalismus und Antisemitismus, den darauf basierenden Exilaktivitäten deutscher KommunistInnen, ihrer späteren Verfolgung als ehemalige ›Westemigranten‹ in der DDR und den Inhalten vordergründig linker Literatur.













