
»Die verheerenden Auswirkungen der deutschen Kolonialherrschaft werden im Überblick dargestellt, doch im Vordergrund steht die Kluft zwischen wissenschaftlichen Erkenntnissen sowie öffentlicher Ignoranz und politischem Handeln. Erinnerungskultur ist in Deutschland primär auf die Nazi-Verbrechen gerichtet, während die Kolonialzeit als Fußnote imperialer Geschichte heruntergespielt wird und in Schulbüchern kaum vorkommt. Im Berliner Humboldt-Forum sieht Melber, wie die Kolonialamnesie fortbesteht. Er schildert, wie die zunächst positiven Bemühungen um die Aussöhnung mit Namibia über mehrere Bundesregierungen hinweg in den Strudel von pseudo-juristischer Verweigerung potenzieller Reparationsansprüche und paternalistischen Regierungsverhandlungen gerieten, die die Nachkommen der Opfergruppen außen vor ließen. Das Ausmaß, in dem kolonialrevisionistische Akteure heute aktiv sind, zeigen parlamentarischen Aktivitäten der AfD, die postkoloniale Erinnerungsarbeit bekämpfen und dafür bei Rechtspopulisten viel Zuspruch erfahren.« − Silke Voß-Kybeck, Geographische Rundschau, April 2026



